Grußwort zum Weltschulmilchtag 2010

10-jähriges Jubiläum des Weltschulmilchtages am 29. September 2010

Jubiläen sind gute Gelegenheiten, einmal innezuhalten und zu betrachten, was sich bis heute an Veränderungen ergeben hat. Auch zum Jubiläum des Weltschulmilchtages sollten wir uns darüber Gedanken machen, was in den vergangenen zehn Jahren erreicht wurde, seit am 28. September 2000 die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erstmals den „Weltschulmilchtag“ ausgerufen hat. Da gibt es in Europa und speziell in Deutschland durchaus positive Ansätze, aber auch negative Entwicklungen zu bemerken.

Positiv registriert werden kann die Erweiterung der förderfähigen Produktpalette der Europäischen Union auf attraktivere Erzeugnisse. Dazu gehören zum Beispiel Fruchtjoghurt oder auch Buttermilch mit Früchten. Auch die Schaffung von einheitlichen Fördersätzen in der EU bei gleichzeitiger Anhebung der Förderung für entrahmte Erzeugnisse sowie erhebliche Vereinfachungen in der Durchführung sind positive Entwicklungen.

Andererseits hat die EU aber auch die Beihilfesätze seit dem Jahr 2000 um über 40 Prozent gekürzt. Dies blieb nicht ohne Folgen. So nehmen in Deutschland derzeit nur noch in Kindergärten und Grundschulen eine größere Anzahl von Kindern am Schulmilchfrühstück teil. Insgesamt liegt die Teilnahme in Deutschland bei nur rund 6 % aller Berechtigten. In vielen weiterführenden Schulen wird schon gar keine Schulmilch mehr angeboten. Dies liegt zum Teil daran, dass sich keine Betreuer für den Milchabsatz finden. Es hat aber auch die Beliebtheit der ursprünglich geförderten Produkte bei Jugendlichen erheblich nachgelassen und die „neuen“, förderfähigen Erzeugnisse sind noch nicht im Bewusstsein der Schüler angekommen. Hier ist eindeutig noch Verbesserungsbedarf gegeben.

Die FAO verfolgt mit dem Weltschulmilchtag das Ziel, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf eine gesunde Ernährung mit Milch und Milcherzeugnissen für Kinder und Jugendliche und auf entsprechende Förderprogramme zu richten. Mittlerweile nehmen interessierte Institutionen in über 40 Ländern diesen Tag zum Anlass, auf die Wichtigkeit der Versorgung aller Schülerinnen und Schüler mit Milch und Milcherzeugnissen hinzuweisen.

Zu den angesprochenen Institutionen gehört auch die deutsche „Initiative Milch“, die sich seit geraumer Zeit in den Aufbau eines zeitgemäßen Images von Milch und Milcherzeugnissen bei Schülerinnen und Schülern einbringt. Dazu werden ansprechende Informationen über die positiven Eigenschaften und Nutzen der Milcherzeugnisse in der menschlichen Ernährung angeboten, die über das Bewusstmachen des Wertes der nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion auch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit unseren täglichen Nahrungsmitteln anregen. Hier kann ich die „Initiative Milch“ nur ermuntern, diese Bemühungen auch in Zukunft fortzusetzen. Lassen Sie nicht nach, den Adressaten in den Schulen, wie auch den Eltern und Erziehern nachhaltig zu vermitteln, dass die Ernährung mit Milch und Milcherzeugnissen immer eine „sichere Sache“ ist und eine gesunde Investition in die eigene Zukunft darstellt!

Nach den vorliegenden Informationen ist davon auszugehen, dass zwar ca. 70 % aller Schülerinnen und Schüler nach einem häuslichen Frühstück zur Schule kommen und auch ein zweites Pausenfrühstück mitbringen. Das bedeutet aber leider auch, dass immerhin 30 % der Schülerinnen und Schüler ohne Frühstück zur Schule kommen. Eine in diesem Monat vorgestellte wissenschaftliche Untersuchung der Universität Dortmund belegt, dass Schülerinnen und Schüler, die morgens zu Hause frühstücken und auch in der Schule ein zweites Pausenfrühstück insbesondere auch mit Milch und Milcherzeugnissen erhalten, ihren „Glukosespiegel“ hoch genug halten, über eine messbar höhere Konzentrations- und Merkfähigkeit verfügen und damit eben zu wesentlich besseren schulischen Leistungen gelangen können. Dieses Potenzial sollten auch die Schüler nutzen, die jetzt noch ohne Frühstück zur Schule gehen.

Milch ist ein wichtiger Baustein für eine gesunde Ernährung und mit den vielen unterschiedlichen Milcherzeugnissen bestens geeignet, zu einer gesunden Grundversorgung der Schülerinnen und Schüler beizutragen. Deshalb setzt sich der Bund zusammen mit der EU und den Bundesländern seit vielen Jahren für die Versorgung mit Schulmilcherzeugnissen ein. Die EU fördert die Schulmilchversorgung mit etwa 75 Mio. € jährlich. Davon entfielen auf Deutschland im Jahr 2009 ca. 7,1 Mio. €. In unseren Nachbarländern Polen, Frankreich und Schweden steigt die Beteiligung am EU-Schulmilchprogramm seit einigen Jahren beständig. In Deutschland ist die Entwicklung hingegen regional unterschiedlich.

Ich wünsche mir, dass vom Weltschulmilchtag 2010 ein erneuter Impuls ausgeht, um die Inanspruchnahme von Schulmilcherzeugnissen gerade auch in weiterführenden Schulen wieder zu erhöhen. Hierzu ist es sicher auch erforderlich, das Image von Milch und Milcherzeugnissen vor allem bei Jugendlichen zu verbessern. Zwar weiß jeder, der sich mit Ernährung beschäftigt, was Milch zu leisten im Stande ist – doch muss das Wissen um diese Leistungsfähigkeit der Milcherzeugnisse immer mal wieder ins Bewusstsein der Verbraucher von heute und morgen gerückt werden.

Der Weltschulmilchtag eignet sich hier nun ganz besonders, auf die vorhandenen Möglichkeiten des Schulmilcheinsatzes zur Verbesserung der Ernährungssituation in den Schulen hinzuweisen.

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