EU – Schulmilchförderung

Schulmilch und -obst: Gesunde Ernährung stärker fördern

Plenartagung Pressemitteilung – Landwirtschaft27-05-2015 -

Gesunde Ernährungsgewohnheiten sollten früh gefördert werden. Deshalb müssen die EU und ihre Mitglieder sich stärker dafür einsetzen, Kinder zum Verzehr gesunder Lebensmittel sowie lokaler Erzeugnisse zu ermutigen. Die Abgeordneten wollen gewährleisten, dass den Kindern verstärkt Kenntnisse über gesunde Ernährung vermittelt werden und sie in der Schule weiterhin Milch, Obst und Gemüse aus EU-Programmen erhalten.
Deshalb haben sie einen entsprechenden Gesetzentwurf und ein Verhandlungsmandat angenommen, um in Gesprächen mit den Mitgliedstaaten einen Kompromiss über die neuen Regeln zu erzielen.

“Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist der Grundstein für eine gute Gesundheit. Trotzdem ist der Verbrauch von Obst, Gemüse und Milch in der gesamten EU zurückgegangen, mit negativen Folgen für die Europäer. Die neuen Regeln sollen sicherstellen, dass in den Schulen mehr getan wird – nicht nur, um unseren Kindern gesunde Lebensmittel zu verabreichen, sondern auch, um ihnen Kenntnisse über gesunde Ernährung zu vermitteln”, sagte der Berichterstatter Marc Tarabella (S&D, BE).
Größere Auswahl, fairere Verteilung

Das Parlament hat sich für die Zusammenführung der bestehenden EU-Schulmilch- und Schulobstprogramme ausgesprochen, sowie für die Ausweitung entsprechender Bildungsmaßnahmen.
Die Abgeordneten haben die vorgeschlagenen Vorschriften wie folgt abgeändert:

  • Die Liste mit Lebensmitteln, die von der EU im Rahmen des Schulprogramms subventioniert werden können, soll um Milchprodukte vorrangig lokaler oder regionaler Herkunft mit nachweislichem Nutzen erweitert werden, so wie Buttermilch, Sauermilch, Joghurt oder Kefir (mit Ausnahme von Produkten, die Aromastoffe oder milchfremde Zusatzstoffe oder Nüsse oder Kakao enthalten),
  • EU-Mitgliedstaaten sollen 10-20% der EU-Mittel, die sie für das Programm erhalten, für Bildungsmaßnahmen ausgeben, um gesunde Ernährungsgewohnheiten zu fördern und Lebensmittelverschwendung zu bekämpfen. Zu solchen Maßnahmen sollen Besuche auf Bauernhöfen und die gelegentliche Verteilung gesunder lokaler Spezialitäten wie verarbeitetes Obst und Gemüse (außer sie enthalten Zucker, Fett, Salz oder Süßstoffe) oder Honig, Oliven oder Trockenobst gehören.
  • Das EU-Jahresbudget für Schulmilch soll um 20 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro erhöht, und €150 Millionen Euro sollen für Obst und Gemüse zur Verfügung gestellt werden.
  • Die EU-Mittel sollten fairer unter den Mitgliedstaaten verteilt werden, indem zwei Kernkriterien für das gesamte Programm festgelegt werden (Zahl der sechs- bis zehnjährigen Kinder als Anteil an der Gesamtbevölkerung des betreffenden Mitgliedstaats und der Entwicklungsstand der Regionen innerhalb eines Mitgliedstaats). Die bisherige Nutzung von Mitteln im Rahmen früherer Programme für die Abgabe von Milch und Milcherzeugnissen sollen während einer Übergangszeit von sechs Jahren berücksichtigt und dann durch die Einführung eines jährlichen Mindestbetrags der Unionsbeihilfe pro Kind ausgeglichen werden.

Die nächsten Schritte

Das Parlament hat die Anträge zur Änderung des Verordnungsentwurfes sowie das Mandat für die Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten mit 458 Stimmen bei 97 Gegenstimmen und 28 Enthaltungen angenommen. Sobald der Rat einen Gemeinsamen Standpunkt festgelegt hat, können die Verhandlungen beginnen.

Hintergrundinformationen Die Schulmilchregelung wurde im Jahr 1977 eingeführt. Das Schulobstprogramm, das auch Vorschriften zur Erziehung enthält, wurde 2009 eingeführt. Beide Programme wurden ins Leben gerufen, um den Verzehr von Obst, Gemüse und Milcherzeugnissen in Schulen zu fördern. Bisher galten unterschiedliche Regelungen für die Programme. Alle 28 Mitgliedstaaten nehmen am Milchprogramm, 25 unter ihnen am Obstprogramm teil (alle außer Großbritannien, Finnland und Schweden). In den meisten Ländern geht der Verbrauch von Obst und Gemüse durch Kinder zurück. Mehr als 20 Millionen Kinder in der EU sind übergewichtig und Heranwachsende verzehren durchschnittlich nur 30-50% der jährlich empfohlenen Menge von Obst und Gemüse.

EU will Schulmilch nicht mehr für alle Kinder fördern

Schulmilchförderung - wie geht es weiter?
Schulmilchförderung – wie geht es weiter?

In einer Pressemitteilung des Deutschen Bundestags vom 20. Mai diesen Jahres heißt es, dass die Bundesregierung sich unter anderem dafür einsetzen wird, die Programme für Schulobst/-gemüse sowie für Schulmilch auf EU-Ebene zusammenzuführen. Doch die Zusammenlegung der bisher getrennten Förderprogramme „Schulmilch“ und „Schulobst/-gemüse“ hat weitreichendere Konsequenzen als auf den ersten Blick ersichtlich: Gäbe es für die Milch – wie für Obst und Gemüse – eine 100 %- Bezuschussung, würde das bedeuten, dass sich zwar alle Schulen für das Förderprogramm bewerben können, tatsächlich aber nur so viele Schulen daran teilnehmen, wie die Fördergelder es hergeben. Der Großteil der deutschen SchülerInnen würde so nicht berücksichtigt.

„Der Agrarausschuss will weiterhin Schulobst/-gemüse und Schulmilch“ bedeutet: Zu 100% geförderte Schulmilch an die einen Schulen, zu 100% von den Eltern bezahlte an andere. Ein enormer logistischer Aufwand für die traditionellen Schulmilchlieferanten wie zum Beispiel FrieslandCampina Germany, mit der Landliebe-Schulmilch. „Erschwerend kommt hinzu, dass sich die neue EU-Förderung nur auf pure Milch beschränken soll“ erläutert die Diplom-Oecotrophologin Gabriele Johag, Leiterin der Abteilung Schulmilch.

Im Nachbarland Österreich ist das Thema ein nationaler Aufreger (“EU nimmt unseren Kindern die Schulmilch weg”), während das Interesse in Deutschland eher lauwarm ist. Sowohl die Medien als auch die Entscheidungsträger in der Politik fokussieren sich auf den Kampf gegen die Fettleibigkeit („unsere Kinder sind sowieso zu dick“), ohne die positive Rolle von Milch und Kakao gerade im Hinblick auf Fehlernährung und Übergewicht näher zu betrachten.

In Österreich spricht man ganz offen von einem Anschlag gegen den beliebten Kakao, kündigt massiven Widerstand gegen die Pläne der EU an. Der Vorwurf: Auf dem Rücken der unschuldigen Schulmilch werde ein Kampf um Zuständigkeiten ausgetragen, in dem es weder um die Milch, noch um das Wohl der Kinder geht. Sondern schlicht darum, wer innerhalb der EU über solch weitreichende Neuerungen entscheiden darf: Das EU-Parlament? Oder ist das laut Lissabon-Vertrag allein eine Angelegenheit für den Rat?

Ob und wann hier eine Entscheidung fällt, ist ungewiss. Als sicher gilt jedenfalls eins: Die Eltern werden in Zukunft wieder mehr Verantwortung übernehmen müssen. Erste Reaktionen gibt es aus Nordrhein Westfalen: Hier präsentierte Umwelt- und Landwirtschaftsmister Johannes Remmel gerade die neuen Schulmilch-Medien in türkischer und russischer Sprache.

Schulmilch – früher für Millionen Schüler selbstverständlich, wird heute in immer weniger Schulen angeboten. Die Gründe: Hausmeister, Lehrer und Schulleiter scheuen den Organisationsaufwand, Eltern sind im Ernährungsfragen verunsichert oder gleichgültig, Molkereien ziehen sich aufgrund der hohen Kosten und geringen Profite aus dem Schulmilch-Vertrieb zurück. „Für mich lieber Milch“ ist eine Initiative der FrieslandCampina Germany GmbH, Bereich Schulmilch, Köln. Ziel der Initiative ist es, Schulleiter, Lehrer, Eltern und Kinder über Schulmilch als vollwertiges Lebensmittel zu informieren und zu motivieren und den Dialog zum Thema Schulmilch zu fördern. 

Quelle: Informationsbüro Schulmilch