Studie Schulmilch im Fokus

Institut für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik

Endbericht

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Endbericht
Ökonomische Begleitforschung zum Bundesmodellvorhaben "Schulmilch im Fokus"

Projekt des BMELV
Dr. Petra Salamon, Daniela Weible, Dr. Doreen Bürgelt, Dr. Inken B. Christoph, Dr. Günter Peter, Dr. Aida Gonzalez, Andrea Rothe, Dr. Sascha A. Weber
Gefördert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI)
Institut für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik

Beteiligte Einrichtungen
1. Johann Heinrich von Thünen-Institut
2. Max Rubner Institut
I

Für diejenigen die keine pdf´s laden können hier die wichtigsten Aussagen - ohne Grafiken und Tabellen
1 Einleitung
1.1 Hintergrund

Den Verbrauch von Milchprodukten, die wichtige Proteine, Vitamine und Mineralstoffe beinhalten, zu steigern, ist das Ziel des Europäischen Schulmilchprogramms (VO (EG) Nr. 657/2008). Im Rahmen des Europäischen Schulmilchprogramms erhalten Schüler bzw. Kinder in schulischen Einrichtungen durch eine Beihilfe verbilligte Milch und bestimmte Milcherzeugnisse. Ursprünglich entstand die subventionierte Abgabe von Schulmilch im Zusammenhang mit der Einführung der Mitverantwortungsabgabe im Milchsektor. Zum damaligen Zeitpunkt war das Schulmilchprogramm als eine Möglichkeit zum Ausbau des Absatzes innerhalb der Europäischen Union (EU) konzipiert worden. Später allerdings wurde die ursprüngliche Zielsetzung immer stärker erweitert. Das Programm soll gesunde Ernährung sowohl praktisch als auch pädagogisch vermitteln und trägt damit zum Kampf gegen Fettleibigkeit bei Kindern bei. Durch das Schulmilchprogramm sollen Kinder mit Qualitätsprodukten versorgt, eine gesündere Art zu leben gefördert und das Wissen im Bereich Ernährung gesteigert werden" (Europäische Kommission 2012). Durch das Programm soll die Gesundheit der Kinder insgesamt gestärkt werden. Sofern keine Laktoseintoleranz oder andere Unverträglichkeiten vorliegen, führt eine frühzeitige Versorgung mit Milchprodukten zu positiven Assoziationen mit dem Produkt Milch und kann dadurch zu einer langfristig verbesserten Ernährung beitragen.

Was ist nun genau unter dem Begriff Schulmilch" zu verstehen? Es ist schwierig, zwischen Milch in der Schule" und Schulmilch" zu differenzieren. Der impliziten Definition nach Verordnung VO (EG) Nr. 657/2008 der EU ist Schulmilch die verbilligte Abgabe von Milch und bestimmten Milcherzeugnissen an Schüler bzw. Kinder in Erziehungseinrichtungen durch Gewährung einer Beihilfe. Demnach wäre Milch in der Schule" generell weiter gefasst, und zwar die Abgabe von Milch und bestimmten Milcherzeugnissen an Schüler bzw. Kinder in Erziehungseinrichtungen einschließlich Kindergärten, ob mit oder ohne Gewährung von Beihilfe. Allerdings ist vielen Eltern, Lehrern, Schulleitern und sonstigen an dem Prozess beteiligten Akteuren diese Unterscheidung häufig nicht bewusst.

Durch die Neuordnung des EU-Schulmilchprogramms im Jahr 2008 sollten innovative und attraktivere Produkte einbezogen werden, die von Schulkindern positiv belegt sind. Neben den verschiedenen Arten von Trinkmilch können nun bestimmte fermentierte Milchprodukte mit Früchten oder Fruchtsaft wie Joghurt, Buttermilch oder Kefir und eine breite Palette von Käsesorten gefördert werden. Der Förderungsbetrag ist nicht mehr abhängig vom Fettgehalt, um eine Bevorzugung von fettreichen Produkten zu vermeiden. Hingegen bestehen 1 Einleitung 2 hinsichtlich des Zuckerzusatzes Einschränkungen. Die Mitgliedstaaten entscheiden, ob sie die Produktliste zusätzlich beschränken oder auch striktere Standards anwenden wollen. Neben Grundschulen, Kindergärten und anderen Vorschulerziehungseinrichtungen haben auch weiterführende Schulen Zugang zur Förderung.

Die staatliche Förderung erfolgt über Beihilfezahlungen aus dem EU-Haushalt. Im Rahmen dieser Maßnahme werden Kinder in schulische Einrichtungen durch Beihilfezahlungen für bestimmte Milchprodukte gefördert. Die Menge darf das Milchäquivalent von maximal 0,25 l pro Kind und Schultag nicht überschreiten. Bei der Höhe der Beihilfen werden je nach Milchanteil verschiedene Kategorien unterschieden, und zwar in:
Kategorie I (wärmebehandelte Milch mit und ohne Zusätze, fermentierte Milcherzeugnisse mit mindestens 90 % Milchanteil1) wird 18,15 €/100 kg Beihilfe gewährt,
Kategorie II (fermentierte Milcherzeugnisse mit mindestens 75 % Milchanteil2) beträgt der Beihilfesatz 16,34 €/100 kg,
Kategorie III (Frisch- und Schmelzkäse3) liegt der Beihilfebetrag bei 54,45 €/100 kg,
Kategorie IV (Grana-Padano und Parmiggiano Reggiano) bei 163,14 €/100 kg
Kategorie V (sonstiger Käse4) bei 138,85 €/100 kg.

1 Wärmebehandelte Milch (Vollmilch, entrahmt und teilentrahmt), wärmebehandelte Milch mit Schokolade oder Fruchtsaft oder aromatisiert, mit 90 % Milch und einem Zusatz von höchstens 7 % Zucker und/oder Honig oder fermentierte Milcherzeugnisse, auch mit Fruchtsaft, auch aromatisiert, mit mindestens 90 % Milch und einem Zusatz von höchstens 7 % Zucker und/oder Honig.
2 Fermentierte Milcherzeugnisse, auch aromatisiert, mit Früchten, mit einem Gewichtsanteil von mindestens 75 % Milch und einem Zusatz von höchstens 7 % Zucker und/oder Honig.
3 Aromatisierter und nicht aromatisierter Frischkäse und Schmelzkäse mit einem Käsegehalt von mindestens 90 GHT.
4 Aromatisierter und nicht aromatisierter Käse, der nicht unter die Kategorien III und IV fällt, mit einem Käsegehalt von mindestens 90 GHT.

Im Schuljahr 2008/09 wurden 386 000 t Milchäquivalent in 27 Mitgliedstaaten der EU über das Schulmilchprogramm abgesetzt, wobei in Griechenland und Bulgarien jeweils kein Schulmilchprogramm existiert. Die Gesamtausgaben für das Schulmilchprogramm beliefen sich auf über 74,7 Millionen €. Der Schulmilchabsatz in Deutschland betrug 36 700 t Milchäquivalent. Seit dem Schuljahr 1992/93, dem absatzstärksten Jahr der deutschen Schulmilchversorgung, ging der Verbrauch an Schulmilcherzeugnissen in Deutschland um 70% zurück. Im Absatz an Schulmilch fiel Deutschland innerhalb der EU von Platz drei auf den fünften Platz zurück, obwohl Deutschland der bevölkerungsreichste Mitgliedstaat und auch größter Milcherzeuger ist. Wenn man die Beteiligung von Schülern im EU-Vergleich betrachtet, liegt die deutsche Beteiligung sogar nur auf dem Rang 9. 1 Einleitung 3
Zur Erklärung dieser Entwicklung wurden eine Reihe von Faktoren isoliert, die zum Rückgang des Schulmilchabsatzes beigetragen haben könnten:

Die Verminderung der Beihilfesätze für Schulmilch in den Jahren 1993 und 2000 von vormals umgerechnet rund 39 ECU auf nun 18,15 € je 100 kg könnten durch die damit verbundenen Erhöhungen der Abgabepreise für die Schüler einen Nachfragerückgang induziert haben.

Als weiterer Faktor könnten die lang anhaltenden, zum Teil heftigen Diskussionen um die geeignete Verpackungsform für Schulmilch zum Absatzrückgang beigetragen haben. Sowohl die Glas- als auch die Kartonverpackung weisen bei ihrem Einsatz in Schulen Vor- und Nachteile auf.

Analog zu den Verpackungen wurde auch die Produktpalette an Milchprodukten im Schulmilchsektor (pasteurisierte Milch oder ultrahocherhitzter Milch (UHT-Milch), Milch oder Milchmischgetränke, Zuckergehalt, Fettgehalt) hinsichtlich ihrer Wertigkeit von vielen Seiten intensiv und kontrovers diskutiert.
Zusätzlich schränkt die Schulmilchverordnung die Produktpalette z. B. durch die Festlegung des Höchstgehaltes an Zucker und den dadurch bedingten Ausschluss von attraktiven, marktgängigen Produkten ein.
Die Festlegung von Höchstabgabepreisen führt zu einem sinkenden Interesse bei Molkereien und anderen Schulmilchlieferanten am Schulmilchgeschäft, insbesondere im Süden Deutschlands. Eine zu niedrige Festsetzung regionaler Höchstpreise impliziert eine unzureichende Kostendeckung für die Anbieter, eine zu hohe Festsetzung dämpft den Absatz.
Ein erhebliches Problem liegt in der organisatorischen Abwicklung der Schulmilchabgabe in der Schule. Häufig scheiden Schulen komplett aus dem Schulmilchbezug aus, wenn niemand vor Ort die Handhabung der Schulmilch koordiniert. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Gewinnung von Schulen, die Schulmilch neu anbieten.
Um die Situation zumindest mittel- und langfristig positiv beeinflussen zu können, hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen das Bundes-Modellvorhaben Schulmilch im Fokus" unter Beteiligung der Landesvereinigung für Milchwirtschaft Nordrhein Westfalen e.V. initiiert. In dessen Rahmen soll die Bedeutung einzelner Faktoren für den Schulmilchabsatz ermittelt werden. Basierend auf den Ergebnissen sollen Lösungsansätze für eine verbesserte Teilnahme am Schulmilchprogramm der EU für Deutschland erarbeitet werden. Da begrenzte Haushaltsmittel zur Verfügung standen, wurde vereinbart, das Modellvorhaben über einen begrenzten Zeitraum von zwei Schuljahren in Grundschulen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen durchzuführen.1 Einleitung 4

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
Für die ökonomische Begleitforschung zum Bundes-Modellvorhaben Schulmilch im Fokus" wurden vom Auftraggeber Fragen formuliert, deren schwerpunktmäßige Beantwortung im Mittelpunkt der vorliegenden Studie steht:
Welchen Einfluss hat der Preis auf die Schulmilchnachfrage?
Variiert der Preiseinfluss zwischen Regionen (Stadt/Land) und Einkommensstufen?
Inwieweit wird (Trink-)Milch durch Milchprodukte (ohne Beihilfe) oder andere Getränke (z. B. Wasser) substituiert?
Welchen Einfluss haben die Angebotsgestaltung und die Darreichungsform (Milchsorte, Produktpalette, Art der Verpackung, Packungsgröße, etc.) auf den Schulmilchverbrauch?
Welchen Einfluss hat die Form der Abgabe in den Schulen auf den Schulmilchverbrauch (gemeinsames Schulfrühstück/Abgabe über Hausmeister etc.)?
Welchen Einfluss haben Aufklärungsarbeit und verkaufsfördernde Kampagnen?
Für die Durchführung des Projekts wurden von Seiten des Auftraggebers ebenfalls einige Bedingungen vorgegeben:
Das Modellvorhaben sollte als Experiment konzipiert sein, in dessen Rahmen Schulmilch in verschiedenen Preisstufen, einschließlich einer kostenlosen Preisstufe, in den Schulen abgegeben wird.
Durch den Einsatz der Landfrauen sollten die Wirkungen der Aufklärungsmaßnahmen zum gesunden Frühstück mit Milchprodukten in den Grundschulen untersucht werden.
Neben dem Preis sollten möglichst viele weitere, das Nachfrageverhalten beeinflussende Faktoren, berücksichtigt werden.
Im Rahmen des Vorhabens wurden Informationen bereitgestellt, Erhebungen auf verschiedenen Stufen durchgeführt und die jeweiligen Daten erfasst. Zum einen wurden die Absatzmengen auf den verschiedenen Preisstufen schüler-, klassen- oder schulweise registriert und mit verschiedenen ökonomischen und sozialen Informationen zusammengeführt. Zum anderen wurden die verschiedenen Akteure hinsichtlich ihrer Motivationen und Einstellungen zu Schulmilch, aber auch bezüglich der ökonomischen Rahmenbedingungen befragt. Als Akteure wurden die Schüler selbst, ihre Eltern, die Klassenlehrer, die Schulleiter und die Schulmilch-Koordinatoren betrachtet, aber auch die Anbieter beziehungsweise die Lieferanten von Schulmilch. Als weiterer Akteur nimmt auch der Staat durch die Gestaltung der Beihilfe und durch die Rahmenbedingungen Einfluss auf die Schulmilchnachfrage. 1 Einleitung 5
Mit der Durchführung der wissenschaftlichen Begleitforschung waren das Institut für Ernährungsverhalten des Max Rubner-Instituts (MRI) und das Institut für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) beauftragt. Die Fragen der ökonomischen Begleitforschung wurden im Institut für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik untersucht. Dazu gehörte die Erfassung der Absatzmengen der Schüler in den beteiligten Schulen sowie die Konzeption und Schätzung eines ökonomischen Nachfragemodells (Hauptprojekt). Zur Untersuchung von Einflussfaktoren aus dem Bereich des Ernährungsverhaltens wurden Befragungen von Schülern, Eltern, Lehrern, Schulleitern und Schulmilch-Koordinatoren durchgeführt, wobei die Verantwortung für die konzeptionelle Erstellung der Fragebögen, die Schulung der Interviewer, die Durchführung der Landfraueneinsätze und die Auswertung der Fragebogenergebnisse beim Institut für Ernährungsverhalten des MRI lag. Die Ergebnisse des Instituts für Ernährungsverhalten wurden in drei Berichten veröffentlicht: Teilprojekt 1 Einstellung von Schülern und Eltern zu Milch und Schulmilch", Teilprojekt 2 Best Practice Untersuchung hoher Beteiligungen am Schulmilchprogramm" und Teilprojekt 3 Untersuchung des Milchangebots in Schulen außerhalb des Schulmilchprogramms" (Kaiser et al. 2011, Bofing et al. 2011).

Das dem Vorhaben zugrunde liegende Experiment wurde wie folgt gestaltet: Im Rahmen des Vorhabens wurden in ausgewählten Schulen im Schuljahr 2008/09, beginnend mit einer Standardstufe, in drei folgenden Stufen die Abgabepreise für Schulmilch bis zur kostenlosen Abgabe gesenkt und im folgenden Schuljahr 2009/10 wieder stufenweise erhöht.

Die Auswahl der beteiligten Grundschulen erfolgte nach dem Zufallsprinzip. Anschließend wurden die Schulen der Stichprobe in zwei Gruppen geteilt: Im größeren Teil der Schulen, der sogenannten Klassenstichprobe, wurde im Schuljahr 2008/09 der Schulmilchabsatz für die Preisstufen regelmäßig auf Klassenebene für die Klassenstufen 2 bis 4 erfasst. Zusätzlich wurden einige Eigenschaften der Klassen und Schulen erhoben. In einer zweiten, kleineren Stichprobe, der sogenannten Schülerstichprobe, wurden für die Klassenstufen 2 bis 4 im Schuljahr 2008/09 detaillierte schülerbezogene Absatzmengen für die Preisstufen regelmäßig durch die Schulen mitgeteilt.
Neben diesen Informationen standen auch die Abrechnungsdaten der Anbieter von Schulmilch auf Schulebene zur Verfügung, die im Folgenden Anbieterdaten genannt werden. Die Daten wurden entweder direkt bei den Anbietern erfragt oder aus den Anträgen für die Beihilfezahlungen entnommen. Zusätzlich zu den Anbieterdaten wurden auch Befragungen der Anbieter durchgeführt, um deren Motivation, und deren Probleme zu erfragen. Die Erfassung der Anbieterdaten wird während der Preisanhebungsphasen im Schuljahr 2009/10 fortgeführt. 1 Einleitung 6

Auch das Verhalten von Schulmilchanbietern an den Schulen wurde im Rahmen des Projekts untersucht. Dabei handelt es sich um Molkereien, Direktvermarkter und Großhändler bzw. Frischedienste. Bei diesen Unternehmen wurden Informationen zu der angebotenen Produktpalette, der Abwicklung der Schulmilchbeihilfe und den physischen Lieferungen, Abnahmemengen, den Abrechnungen mit den Schulen und der Rückgabe der Verpackungen im Rahmen einer Onlinebefragung erfasst. Ergänzt wird sie durch eine detaillierte leitfadengestützte mündliche Befragung ausgewählter Unternehmen.

Im vorliegenden Bericht werden die sich aus dem Hauptprojekt ergebenden Aspekte der ökonomischen Begleitforschung abgedeckt. Teilprojekt 4 Zahlungsbereitschaft und Akzeptanz neuer Schulmilchprodukte" (siehe Christoph et al. 2012) und Teilprojekt 6 Preiselastizität der Nachfrage nach Milch" (siehe Salamon et al. 2012) werden in getrennten Berichten dargestellt.

Der Bericht zum Hauptprojekt ist wie folgt konzipiert: Auf die Einleitung folgend wird im zweiten Kapitel ein Überblick über die bisher vorliegende Literatur zu Schulmilch unter ökonomischen Aspekten gegeben. Darüber hinaus werden das Europäische Schulmilchprogramm, die Schulmilchbeihilfenverordnung in Deutschland und Aspekte der Preisbildung beschrieben. Im dritten Kapitel werden die Gestaltung und Durchführung des Preisexperiments, die Datengewinnung für die beiden Stichproben, die notwendige Stichprobenziehung der Klassen- und der Schülerstichprobe sowie die Gewinnung der Anbieterdaten beschrieben. Berücksichtigt wird auch die Datenaufbereitung der drei Stichproben. Auf die deskriptive Analyse im vierten Abschnitt folgt die Befragung der Schulmilchanbieter in Nordrhein-Westfalen in Kapitel 5. In weiteren Schritten wird eine Quantifizierung der Effekte vorgenommen. Dazu stellt Kapitel 6 die Theorie der nachfolgenden Analysen zur Schulmilchnachfrage vor. Da in diese Erklärungsmodelle Einflussfaktoren verschiedener Ebenen einfließen, werden hier Multilevel-Analysen durchgeführt. Kapitel 7, 8 und 9 erklären dann anhand von Nachfragemodellen die Schulmilchnachfrage auf Schul-, Klassen- und Schülerebene mit Hilfe der Daten der jeweiligen Stichprobe. Der darauffolgende Abschnitt 10 untersucht die Aufklärungsmaßnahme durch die Landfrauen und beendet die quantitative Analyse der Schulmilchnachfrage. Am Ende des Projektzeitraums wurden die teilnehmenden Schulen bezüglich Erfolg, Aufwand, Auswirkung und Verbesserungsvorschlägen befragt. Die Ergebnisse werden in Abschnitt 11 dargestellt. Eine abschließende Bewertung der Ergebnisse des Gesamtprojektes sowie die Schlussfolgerungen werden in Kapitel 12 dargestellt. Die Zusammenfassung der Projektergebnisse aus der ökonomischen Begleitforschung ist in Kapitel 13 zu finden. Die erarbeiteten Empfehlungen sind nicht in diesem Bericht enthalten.2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 7

2 Schulmilch und Schulmilchprogramm
2.1 Europäisches Schulmilchprogramm
Mit dem Begriff Schulmilch werden alle diejenigen Milcherzeugnisse erfasst, die beihilfefähig sind. Dazu zählen heute nicht nur die traditionelle Trinkmilch in ihren verschiedenen Geschmacksrichtungen, sondern auch fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Buttermilch und Kefir, welche Fruchtsaft- und Fruchtzusätze enthalten können, sowie diverse Käse. Auch laktosefreie Milch ist in der Liste der begünstigten Erzeugnisse aufgeführt. Die Schulmilch wird durch eine Beihilfe gefördert und bezeichnet hier eine Subvention des Verbraucherpreises (Abgabepreis), der entsprechend gesenkt wird. Die Beihilfezahlung erhält aber nicht der Konsument, sondern die Lieferanten. Für die daraus resultierenden Ausgaben kommt der EU-Haushalt auf (BMELV 2007). Die Beihilfe kann sowohl Kindergärten und anderen Vorschuleinrichtungen als auch Grund- und weiterführenden Schulen gewährt werden, die im Sinne des Artikels 2 der VO (EG) Nr. 657/2008 in dem Begriff schulische Einrichtungen zusammengefasst werden. Dazu zählen ebenfalls Kinder- und Behindertenwohnheime, Schullandheime oder ähnliche Ferieneinrichtungen, an denen sich Schulkinder an den Unterrichtstagen aufhalten.

Die gesetzlichen Regelungen zur subventionierten Abgabe von Schulmilch sind im Zusammenhang mit der Einführung der Mitverantwortungsabgabe im Milchsektor entstanden. Die Einführung dieser Maßnahme wird als eine Möglichkeit zur Erweiterung der Absatzmöglichkeiten für Milcherzeugnisse innerhalb der Gemeinschaft angesehen (EUROPÄISCHER RAT 1977). Beginnend mit dem Milchwirtschaftsjahr5 1977/78 beteiligt sich die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) erstmals an der Finanzierung von Programmen, die eine verbilligte Abgabe von Milch an Schüler in Schulen vorsehen. Die erste Verordnung, die den Bereich der Schulmilch regelt, ist die VO (EWG) Nr. 1080/77 des Rates, die am 17. Mai 1977 in Kraft trat. In Anbetracht der Marktlage für Milcherzeugnisse wird die Einführung im Sinne der Mitverantwortungsabgabe als neue Absatzmöglichkeit begründet, wozu die Kommission am 15. Juni 1977 die dazugehörigen Durchführungsbestimmungen in VO (EWG) Nr. 1598/77 erlässt. Die Finanzierung wird auf mindestens fünf Jahre angesetzt. Zudem ist die Höchstmenge, der je Schüler und Schultag subventionsbegünstigt ist, auf 0,25 l festgesetzt (EUROPÄISCHER RAT, 1977). Die Verwendung der Milch für die Zubereitung von Mahlzeiten für Schulkinder wird nicht ausgeschlossen.
5 Ein Milchwirtschaftsjahr beginnt am 1. Juli und endet am 30. Juni des Folgejahres.2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 8
Zudem ist die Erhöhung der Milchmenge auf 0,4 l in besonderen Fällen möglich. Anfangs sind zwei Kategorien von beihilfeberechtigten Produkten vorgesehen: Die Kategorie I umfasst Vollmilch, Schokoladenvollmilch und Vollmilchjoghurt und die Kategorie II teilentrahmte Milch oder teilentrahmte Schokoladenmilch. Bei Milch mit Zugabe von Schokolade ist ein Gewichtsanteil von mindestens 90 % Milch vorgeschrieben.
Die Beihilfe setzt sich aus einem Gemeinschafts- und einem Mitgliedsstaatenanteil zusammen. Die EG-Subvention orientiert sich dabei an einem Betrag, der 50 % des Richtpreises für Milch in dem jeweiligen Milchwirtschaftsjahr entspricht. Für Erzeugnisse der Kategorie I (Vollmilcherzeugnisse) liegt die Beteiligung der Gemeinschaft im Wirtschaftsjahr 1977/78 bei 8,675 RE (Rechnungseinheit)/100 kg. Für Erzeugnisse der Kategorie II (teilentrahmte Erzeugnisse) gilt ein geringerer Beitrag von 5,00 RE (Rechnungseinheit)/100 kg, da teilentrahmte Milch nicht besser gestellt werden soll als Vollmilch. Zudem muss der Anteil der Mitgliedsstaaten mindestens 50 % der Gemeinschaftsbeteiligung entsprechen. Seit der Anfangsphase des EU-Schulmilchprogramms zählen alle Arten von Schulen und Vorschuleinrichtungen zu den begünstigten Einrichtungen. Jedoch bleibt es den einzelnen Mitgliedsstaaten überlassen, ob sie die Zahl der Begünstigten einschränken. So können bestimmte Schularten oder Klassen einer Schulart ausgeschlossen werden. Auch hinsichtlich der Liste der angebotenen Produkte können Einschränkungen auf nationaler Ebene eingeführt werden, wobei jedoch Vollmilch enthalten sein muss (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 1977).

Im Zeitablauf kommt es zu häufigen Änderungen, Erweiterungen und Revisionen der Regelungen auf europäischer Ebene, wodurch die erwähnten Verordnungen nicht nur berichtigt, sondern auch mehrmals aufgehoben und durch eine neue, aktuellere Verordnung ersetzt werden. Anhand der erlassenen Verordnungen lassen sich mehrere Phasen unterscheiden. Jede Phase beinhaltet dabei individuelle Akzente und Weiterentwicklungen in der Ausgestaltung der Schulmilchpolitik.

Die erste Phase wie bereits im vorherigen Abschnitt beschrieben setzt mit dem Schuljahr 1977/78 ein und endet nach fünf Jahren. Innerhalb der Anfangsphase wird bereits die Produktpalette um Buttermilch, Käse und um den Zusatz von Geschmacksstoffen zu Milch und Joghurt erweitert. Zudem sind sowohl Vollmilch und teilentrahmte Milch wie auch Roh- und Sterilmilch enthalten (EUROPÄISCHER RAT, 1978). Da sich der Beihilfebetrag am Richtpreis für Milch orientiert und die Beteiligung der Mitgliedsstaaten schrittweise auf 12,5 % gesenkt wird, verändert sich der Gesamtbeitrag ebenfalls im Zeitablauf. Im Schuljahr 1982/83 liegt dieser bei 30,16 ECU/100 kg für Erzeugnisse der Kategorie I (MILCH NRW, 2007: 38f).

Die anschließende zweite Phase beginnt mit dem Milchwirtschafts- bzw. Schuljahr 1983/84 und reicht bis zum Ende des Jahres 1993. Ein neues Element ist die Einführung einer 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 9
Höchstabgabemenge, die in besonderen Fällen auf bis zu 0,5 l pro Schüler und Tag erhöht werden kann. Des Weiteren werden Hochschulen und vergleichbare höhere Lehrinstitute von den Begünstigungen ausdrücklich ausgeschlossen. Dagegen wird eine Beihilfegewährung auf Kinder in Ferieneinrichtungen, die von Schulen oder bestimmten Ortsverbänden und Vereinigungen organisiert werden, ausgedehnt. Auch hinsichtlich der Handhabung werden konkrete Auflagen gemacht: So benötigt der Schulmilchlieferant eine Zulassung von der zuständigen Stelle des Mitgliedsstaates, um die Beihilfe gewährt zu bekommen. Um diese Zulassung zu erhalten, muss der Lieferant nach bestimmten Richtlinien Buch führen und sich festgesetzten Kontrollmaßnahmen unterwerfen. Die schulischen Einrichtungen werden ebenfalls zugelassen und erhalten einen sog. Berechtigungsschein. Dieser ist jeweils für ein Schuljahr gültig und gibt Auskunft über den Zeitraum und die Höchstmenge, für die eine Berechtigung besteht. Abschließend werden die Mitgliedsstaaten ausdrücklich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Beihilfebetrag sich auf den begünstigten gezahlten Preis auswirkt (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 1983). Der Beihilfebetrag wird ab dieser Phase komplett von der EG finanziert und beläuft sich auf 125 % des für das jeweilige Wirtschaftsjahr geltenden Richtpreises für Milch. Anfangs liegt dieser bei 34,29 ECU/100 kg für Erzeugnisse der Kategorie I (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 1983). Innerhalb von 10 Jahren sinkt der Beitrag ab auf 32,57 ECU/100 kg (MILCH NRW 2007: 38f).

Die dritte Phase beginnt 1994 und schränkt die Höchstabgabemenge ohne Ausnahme auf 0,25 l je Schulkind und Schultag ein. Zudem wird die Möglichkeit, die Milcherzeugnisse für die Zubereitung von Mahlzeiten für Schulkinder zu verwenden, zukünftig nicht mehr gewährt. Um das Verwaltungsverfahren zu vereinfachen, wird die Regelung der Berechtigungsscheine aufgehoben. Das heißt, dass nun sowohl die Lieferanten als auch die schulischen Einrichtungen von der zuständigen Behörde des Mitgliedsstaates eine Zulassung erhalten. Zuletzt werden die Mitgliedsstaaten verpflichtet, Höchstpreise für die Schul-milcherzeugnisse festzusetzen, um garantieren zu können, dass sich die gewährte Beihilfe auf den Preis niederschlägt (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 1993). Der Beihilfebetrag vom Jahr 1993 wird mit den neu erlassenen Regelungen zu Beginn des Jahres 1994 um 7,81 ECU erheblich gesenkt. Von 1994 bis 1999 liegt dieser konstant bei 29,44 ECU/100 kg (MILCH NRW, 2007: 38f).

Die vierte Phase setzt kurz vor Ende des Jahres 2000 ein und wird im Jahr 2008 von der heutzutage gültigen Verordnung abgelöst. Im Zeitraum 2001 bis Mitte 2008 werden weitere Restriktionen durchgeführt: Der Konsum von Milcherzeugnissen im Rahmen von Aufenthalten in Ferieneinrichtungen wird von der Beihilfe ausgeschlossen; zudem zählen auf europäischer Ebene nur Kindergärten und Grundschulen zu den Beihilfeberechtigten. Zwar besteht die Möglichkeit, weiterführende Schulen in die Beihilferegelung aufzunehmen, jedoch muss dies erst von dem jeweiligen Mitgliedsstaat beschlossen werden. Die Liste der beihilfefähigen Erzeugnisse wird gemäß den technischen Gegebenheiten neu formuliert. Grundsätzlich ist jede Milch zugelassen, die einer Wärmebehandlung unterzogen wird. Des Weiteren erfolgt in 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 10
Abhängigkeit des Fettgehalts eine Abstufung der Beihilfe in fünf Kategorien: Es wird Vollmilch, Milch mit mindestens 3 % Fett, teilentrahmte Milch, Milch mit mindestens 1 % Fett und Magermilch differenziert. Der Beihilfebeitrag für Vollmilch wird auf 75 % des Richtpreises für Milch festgesetzt, d. h. 24,24 €/100 kg für Produkte der Kategorie I. Für die anderen Milcherzeugnisse erfolgt unter Berücksichtigung des Fettgehalts eine Abstufung des Betrags. Hinsichtlich der Verwaltungsverfahren regeln nunmehr acht Artikel die Bedingungen, die der Antragsteller zu erfüllen hat; dazu zählen die Formalitäten bei der Antragstellung, die Kontrollmaßnahmen und die Modalitäten der Zahlung (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 2000).

Innerhalb der vierten Phase wird der Beihilfebetrag weiter reduziert. Ab dem 01.07.2007 erreicht dieser sein niedrigstes Niveau mit 18,15 €/100 kg, welches seither nicht weiter gesenkt wurde (MILCH NRW, 2007: 38f). Die folgende Abbildung 1 veranschaulicht die Entwicklung des Beihilfesatzes seit 1980. Der Beihilfe-Index6 zeigt, dass nach der anfänglichen Anhebung in den ersten Jahren die Beihilfe fast kontinuierlich bis zum Jahr 2007 gekürzt wird. Lediglich im Zeitraum von 1994 bis 2000 bleibt der Beihilfebetrag konstant bzw. wird sogar leicht angehoben. Die stärkste betragsmäßige Senkung findet in den Jahren 1993 und 2000 statt. Insgesamt wurde die Beihilfe in den letzten 27 Jahren um 66% gekürzt.

6 Der Beihilfe-Index wurde aufgrund der unterschiedlichen Währungseinheiten erstellt. Anhand der Wechselkurse wurden die Angaben für 1980 bis 1999 von ECU in DM umgerechnet. Die Angabe für die Jahre ab 2000 wurde mit dem Faktor 1,95583 von EUR in DM umgerechnet. Dem Jahr 2007 wird der Indexwert 100 zugeordnet.
Quelle: Eigene Darstellung nach MILCH NRW, 2007. 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 11

Mit Beginn des Schuljahres 2008/09 befindet sich das EU-Schulmilchbeihilfeprogramm in der fünften Phase. Die rechtlichen Grundlagen bilden der Artikel 102 der VO (EG) Nr. 1234/2007 des Rates vom 22. Oktober 2007 über eine gemeinsame Organisation der Agrarmärkte und mit Sondervorschriften für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse (Verordnung über die einheitliche GMO) und die VO (EG) Nr. 657/2008 der Kommission vom 10. Juli 2008 mit Durchführungsvorschriften zur VO (EG) Nr. 1234/2007 des Rates hinsichtlich der Gewährung einer Gemeinschaftsbeihilfe für die Abgabe von Milch und bestimmten Milcherzeugnissen an Schüler in Schulen.

Mitte 2008 fand eine Erweiterung des Programms statt, wodurch den Forderungen seitens des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates nach mehr Produkten, einem uneingeschränkten Zugang und dem Beitrag zu Ernährungs- und Erziehungszielen nachgekommen werden sollte (EUROPÄISCHE KOMMISSION, Pressemitteilung 11.07.2008). Weiterführende Schulen erhalten denselben Zugang wie Vor- und Grundschulen. Die Liste der Beihilfe befähigten Erzeugnisse wird nicht nur erweitert, sondern auch neu kategorisiert. Die Subvention für die Kategorien Vollfettprodukte, teilentrahmte und fettarme Erzeugnisse sind nun identisch.

Der Beihilfebeitrag liegt ab 1. Januar 2008 unabhängig vom Fettgehalt der Milch bei 18,15 €/100 kg. Die Kategorien I und II unterscheiden sich jetzt hinsichtlich der Gewichtsanteile der Milch. Dieser beträgt bei Kategorie I mindestens 90 % Milch, bei Kategorie II mindestens 80 % Milch. Neu hinzugekommen sind laktosefreie Mischgetränke, Fruchtsaft- und Fruchtzusätze zu Milch und fermentierten Milcherzeugnissen. Der Zuckerzusatz einschließlich Süßungsmittel oder Honigzusatz ist aber auf maximal 7% begrenzt. Die Palette an beihilfefähigem Käse wird um aromatisierte Käsesorten erweitert (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 2008).

Die Überarbeitung der Liste soll eine Reihe neuer, innovativer und attraktiver Erzeugnisse hervorbringen und somit den Mitgliedsstaaten bei der Produktwahl größere Freiheiten einräumen (EUROPÄISCHE KOMMISSION, Pressemitteilung 11.07.2008). Vor dem Hintergrund der zunehmenden Fettleibigkeit bei Kindern nimmt die letzte Forderung eine bedeutende Stellung ein. Schulkinder sollen lernen, im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung Milch-produkte zu konsumieren und diese als ein wichtiges Element für ihre Gesundheit und ihr Wachstum anzusehen. Das damit verbundene Ziel ist, eine gesündere Lebensweise und das Wissen im Bereich Ernährung zu fördern. Im Zuge der neuen Schulmilchregelung und der Betonung von gesunden Essgewohnheiten wird daher auch die Maßnahme eines Schulobstprogramms in Betracht gezogen (EUROPÄISCHE KOMMISSION, Pressemitteilung 11.07.2008 und 17.10.2008).2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 12
2.2 Umsetzung in Deutschland
Ausgestaltung und Abwicklung des EU-Schulmilchprogramms erfolgen durch die einzelnen Mitgliedsstaaten. Laut Verordnung (EG) Nr. 657/2008 kommen der zuständigen Behörde des Mitgliedsstaates unterschiedliche Aufgaben zu:
Bei der Ausgestaltung besteht die Möglichkeit, strengere Normen für die beihilfefähigen Erzeugnisse anzuwenden.

Die Bedingungen und der Ablauf des Zulassungsverfahrens wie auch die Modalität der Beihilfezahlung schreibt die zuständige Behörde seinen Antragstellern selbst vor.

In Bezug auf die Abwicklung sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, zu prüfen, ob die vorgesehene Höchstabgabemenge eingehalten wird.

Weiterhin müssen sie gewährleisten, dass sich der Beihilfebetrag auf den von den Begünstigten gezahlten Preis niederschlägt. Die Aufgabe der zuständigen Landesbehörde ist, den Beihilfeantragstellern die Zulassung zu erteilen und die Beihilfe spätestens drei Monate nach Einreichen des Antrags auszuzahlen.

Die Verordnung sieht des Weiteren umfassende Verwaltungskontrollen der Beihilfeanträge und Vor-Ort-Kontrollen vor, welche jährlich bei mindestens 5% sämtlicher Antragsteller vorgenommen werden.
Zuletzt haben die Mitgliedsstaaten nach Ende eines Schuljahres7 zu festgesetzten Fristen gegenüber der Kommission Bericht zu erstatten. Diese Mitteilung beinhaltet Angaben über die Zahl der Antragsteller und der teilnehmenden schulischen Einrichtungen sowie Angaben zu den durchgeführten Vor-Ort-Kontrollen und deren Ergebnisse; sie gibt die Beihilfe befähigte Höchstmenge, die bewilligte Menge an Milch und die geschätzte Zahl der teilnehmenden Schulkinder an (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2008).

7 Ein Schuljahr bezeichnet den Zeitraum vom 1. August bis zum 31. Juli des folgenden Jahres (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 2008).
8 Süßungsmittel im Sinne der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung vom 29. Januar 1998 (BGBl. I S. 230, 231), die zuletzt durch Artikel 3 der Verordnung vom 30. September 2008 (BGBl. I S. 1911) geändert wurde.
In Deutschland besteht eine nationale Durchführungsverordnung, die sogenannte Schulmilch-Beihilfen-Verordnung" vom 8. November 1985 (BGBl. I S. 2099), die zuletzt durch Artikel 3 der Verordnung vom 10. März 2009 (BGBl. 8I S. 491) geändert worden ist (abgekürzt mit SchulMBhV 1985). Diese wird jeweils an die Anforderungen der Europäischen Kommission angepasst. Im Rahmen der Möglichkeit individuelle Ausgestaltungen vorzunehmen, schließt die deutsche Gesetzgebung Milcherzeugnisse, die Süßungsmittel (Süß- und Zuckeraustauschstoffe) enthalten, von der Subvention aus. Des Weiteren wird mit der nationalen Regelung deutlich, dass die Abwicklung der 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 13

Schulmilchbeihilfe auf Landesebene zu erfolgen hat. Die nach Landesrecht zuständige Behörde eines jeden Bundeslands hat die Aufgabe, den beihilfeberechtigten Antragstellern die erforderliche Zulassung zu erteilen, ihnen die Beihilfe zu gewähren und Höchstabgabepreise für die Schulmilcherzeugnisse, die in dem Bundesland begünstigt werden, festzusetzen (BMELF, 1985).
Im Bundesland Nordrhein-Westfalen, das in der vorliegenden Studie stärker untersucht wird, übernimmt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) mit Hauptsitz in Recklinghausen die Abwicklung der Antragsverfahren zur Gewährung der Beihilfe (LANUV, 2009).

2.3 Literaturüberblick
Im Folgenden wird die nationale und internationale Literatur zum Thema Schulmilch vorgestellt. Wissenschaftliche Literatur zur Wirkung von Schulmilchbeihilfe und weiterer möglicher Einflussfaktoren auf die Nachfrage nach Schulmilch ist auf internationaler Ebene nur spärlich vorhanden. Die verfügbaren Papiere beschreiben in erster Linie die jeweiligen Schulmilchprogramme und betrachten häufig Beziehungen zwischen Konsum und anderen Faktoren.
Der folgende Literaturüberblick ist zweigeteilt. Im ersten Abschnitt wird die international verfügbare Literatur hinsichtlich der Fragestellungen Warum wurden Schulmilchprogramme eingeführt?", Welche Länder haben/hatten Schulmilchprogramme aufgelegt?" und Welche Faktoren beeinflussen den Konsum von Schulmilch?" dargestellt. Da das Projekt auf Deutschland fokussiert, wird die vorhandene deutsche Literatur zum Schulmilchverbrauch anschließend im zweiten Abschnitt detaillierter betrachtet.

In den 1930er und 1940er Jahren wird Schulmilch in vielen Ländern der Welt gefördert, um die Ernährungssituation von Schulkindern zu verbessern. Auf Grund der Verfügbarkeit von Milch und Milchprodukten hat gewöhnlich keine Schule Probleme, Milch verzehrsfertig geliefert zu bekommen (JACOBSON, 1961). Im Fall Neuseelands wird das Milk In School" Projekt eingeführt, um eine Unterversorgung zu vermeiden (DALTON, 1999). Im Allgemeinen wird der hohe Nährwert der Milch positiv hervorgehoben (HANKIN et al., 1980; IDF, 1983; ROWLING, 1979). Zusätzlich wird das Angebot von Schulmilch als eine Möglichkeit gesehen, den Milchmarkt zu stabilisieren (CEAS und IADC, 1999; WILLIAMS et al., 1955). Zudem wird betont, dass Kinder zukünftige Milchkonsumenten sind, deren in ihrer Kindheit geprägten Ernährungsgewohnheiten auch im Erwachsenenalter fortbestehen (GRIFFIN, 1999).
Ein Preisexperiment im Jahr 1956 versucht den Einfluss des Preises auf den Schulmilchkonsum empirisch zu belegen (COOK und HALVORSON, 1956). Die Preise werden 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 14
um 25 %, 50 % und 75 % reduziert. Zwar steigt der Milchkonsum, doch es ergeben sich Unterschiede zwischen Grundschulen und den weiterführenden Schulen. Bei den Grundschulen können im direkten Vergleich höhere Änderungsraten beobachtet werden. Allerdings wird ein Teil des Konsumanstiegs auf den Umstand der besseren Verfügbarkeit von Schulmilch zurückgeführt, da die Milch zweimal täglich angeboten wird. Ferner kann nicht ausgeschlossen werden, dass Schulmilch den Milchkonsum zu Hause substituiert. Den Ergebnissen einer Briefumfrage folgend; können 25 % des zusätzlichen Milchkonsums auf Substitutionseffekte zurückgeführt werden.
Eine Studie über das U.S. Special Milk Program" in Illinois aus dem Jahr 1961 untersucht die Beziehung zwischen dem Milchkonsum und dem zu zahlenden Preis. Sie basiert auf einer jährlichen Datenerfassung in den teilnehmenden Schulen, in deren Rahmen auch die Bezirksleiter befragt wurden. Ein eindeutiger Beweis, dass ein abnehmender Preis zu einem steigenden Konsum führt, kann nicht erbracht werden. Merkliche Konsumunterschiede können aber zwischen kostenloser Schulmilch und allen anderen subventionierten Milchpreisen beobachtet werden (JACOBSON, 1961).

Studien der International Dairy Federation und der FAO im Zeitraum von 1979 und 1999 zeigen die internationale Reichweite der Schulmilchprogramme auf (GRIFFIN, 1999; IDF, 1983; ROWLING, 1979). In dieser Zeit sind Schulmilchprogramme in der EU, den USA, Japan und Südafrika erfolgreich implementiert. Die Studie der FAO aus dem Jahr 1999 zeigt aber auch, dass die Bedeutung von Schulmilch sehr stark zwischen den Ländern variiert. Während in Thailand Schulmilch am gesamten Trinkmilchmarkt einen Anteil von 30% hat, beträgt für die meisten anderen Länder dieser Anteil nur etwa ein Prozent.

Auch heute wird Schulmilch in den meisten Ländern subventioniert. In etwa 30 % der betrachteten Länder wird zwar der Marktpreis verlangt, aber verschiedene Absatzförderungsprogramme unterstützten den Verkauf. Ergebnisse aus Skandinavien belegen, dass, selbst wenn Milch kostenlos angeboten wird, bei einem gleichzeitig kostenlosen Angebot anderer Getränke, der Verkauf von Milch mit Maßnahmen wie der Bereitstellung von Kühlschränken/Milchautomaten gefördert werden muss (GRIFFIN, 1999).

In Deutschland wird im Jahre 1976 ein weiteres Preisexperiment von der Landesvereinigung Niedersachsen e.V. in einem Gymnasium in Bergedorf durchgeführt. Dabei wird über einen Zeitraum von dreieinhalb Monaten die Viertelliterpackung Milch pur anstatt zu 30 Pfennig zu 15 Pfennig angeboten. Die Produktpalette an der Schule besteht neben purer Trinkmilch auch aus Limonaden und Kakao. Das Ausgangsniveau des Milchverbrauchs (Milch pur) der 1.326 Schüler wird aber nicht genau benannt. Im Laufe des Versuchs pendelt sich der Trinkmilchkonsum ein, wobei der Anteil der Milchtrinker bei etwa 20 % liegt. Zugleich reduziert sich der Konsum an anderen Getränken wie Limonaden und Säften um 50 %. Auch der Kakaokonsum sinkt um 20 %. Nach Beendigung des Versuchs sinkt die Zahl der 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 15 verkauften Milchpackungen auf etwa 100. Limonaden und Säfte werden mengenmäßig wieder wie vor dem Versuch konsumiert, der Kakaoverbrauch steigt ebenfalls wieder an (DEUTSCHE MOLKEREIZEITUNG, 1976).

Ziel einer Studie von WIETBRAUK (1976) ist es, die Gründe für den zurückgehenden Schulmilchkonsum aufzuzeigen und darauf aufbauend Schulmilchverpflegungssysteme zu erarbeiten, die unter Berücksichtigung der Gesamtkosten den anhaltenden Verzehr von Schulmilchprodukten gewährleisten. Dazu wird die gesamte Kette der beteiligten Unternehmen, Behörden und Konsumenten in die Untersuchung einbezogen. Die Arbeit besteht im Wesentlichen aus einer Analyse des Ist-Zustandes der Schulmilchverpflegung, deren Datengrundlage mittels Befragungen von Molkereien, Kultusministerien und Schulen ermittelt wird. Eine ökonomische Bewertung einzelner Funktionsbereiche entlang der Wertschöpfungskette Schulmilch findet im Rahmen von Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten statt. Zum Zeitpunkt der Studie (1976) ist der Schulmilchabsatz durch einen Rückgang geprägt, da einige Jahre zuvor die Bundes- und Landeszuschüsse gestrichen worden waren. Anfang der 1970er Jahre beläuft sich der Verbrauch nur auf etwa 20% desjenigen im Zeitraum 1957-1965, als die Zuschüsse am höchsten waren.

Zur Erfassung der Struktur des Schulmilchabsatzes werden hundert Molkereiunternehmen befragt und eine mengenmäßige Erfassung der verkauften Erzeugnisse, deren Preise und Verteilerprovisionen sowie der zugrunde liegenden Schul- und Schülerzahlen durchgeführt. Zu den häufig genannten Schwachstellen beim Schulmilchabsatz zählen aus Sicht der Molkereien (1) die Vorbehalte der Hausmeister, (2) das Desinteresse der Lehrer/Schulverwaltung, (3) die größeren Gewinnspannen bei Konkurrenzprodukten, (4) mangelnde Förderung der Schulmilch durch staatliche Stellen, (5) Distributionsschwierigkeiten innerhalb der Schule sowie (6) Schülerpräferenzen für andere Getränke. Weiterhin schätzen die Molkereien die Erlöse durch die Schulmilch als zu gering, die Zustellkosten auf Grund der geringen Mengen als zu hoch und den Verwaltungsaufwand bei der Abrechnung als zu hoch ein (WIETBRAUK, 1976: 40). WIETBRAUK (1976: 267f, 472-476) folgert, dass wichtige Elemente für die Akzeptanz der Schulmilch das Sortiment, die Verzehrstemperatur, die Verkaufsförderungen von Seiten der Molkereien, des Staates und sonstiger Institutionen sowie eine je nach Anwender spezifische Wahl der Darbietung darstellen.
Daneben geht WIETBRAUK auch auf die Wirkung von Preisen ein. Es zeigt sich, dass in Nordrhein-Westfalen, bei subventionierten Preisen und einem Preisniveau von etwa 20 Pfennig pro 250-ml-Packung, der Anteil der Schulmilch trinkenden Schüler bei 29 % liegt, während dieser in den übrigen Bundesländern, bei Durchschnittspreisen von 30 Pfennig pro Packung, lediglich 9 % erreicht. Allerdings wird auch darauf verwiesen, dass einzelne Molkereien außerhalb von Nordrhein-Westfalen eine Beteiligung von über 30 % erreichen 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 16 der Preis also nicht die einzige Determinante für den Schulmilchverbrauch darstellt (WIETBRAUK, 1976: 219).

Auf die Nachfrage nach Schulmilch geht ebenfalls die Untersuchung von PINKAU (1994) ein, die sich aber schwerpunktmäßig mit der Nachfrage nach Fruchtsäften beschäftigt. Das Ziel der Untersuchung ist, die Präferenzen der Schüler hinsichtlich ausgewählter Getränkegruppen zu ermitteln. Die Imageanalyse von Schulgetränken erfolgt anhand einer schriftlichen Befragung von knapp 1.000 Schülern zwischen 8 und 24 Jahren und umfasst dabei die Klassen 1 bis 4 der Grundschulen, sowie 5 bis 13 der weiterführenden Schulen einschließlich Sonder- und Berufsschulen. Bei der Frage nach dem am meisten getrunkenen Getränk geben 12 % der Schüler Milch an. An erster Stelle stehen Limonaden mit 32 %, gefolgt von Mineralwasser mit 26 % und Fruchtsäfte und Nektare mit 19% (PINKAU, 1994: 162f). Bei der Betrachtung der Imageprofile der verschiedenen Getränke zeigt sich eine starke Annäherung des Milch- und Saftprofils, was auf eine vergleichbare Akzeptanz hingedeutet. Milchtrinker werden im Vergleich zu den Saft- und Limonadentrinkern als eher fröhlich, ausgeruht, sportlich und gesund eingestuft (PINKAU, 1994: 182-187).

FALLSCHEER und WEINDLMAIER (1997) untersuchten im Auftrag des Fachverbandes Kartonverpackungen den Absatz der Schulmilch in Deutschland mit Ausnahme Sachsens. Die Studie konzentriert sich auf vier Bereiche: die Kosten-, Organisations-, Einstellungs- und Problemanalyse. Untersucht werden 1.860 Schüler an 75 Grundschulen und weiterführenden Schulen im Zeitraum 1996/1997, die ein positives Image von Milch, insbesondere unter den Grundschülern, erkennen lassen. Auch wird deutlich, dass der Preiseffekt der Beihilfe altersabhängig ist. Ältere Schüler beurteilen Schulmilch als weniger preiswert als jüngere Schüler. Während etwa 30 % der Grundschüler Schulmilch gerade aufgrund dieser Einschätzung kaufen würden, reduziert sich der Anteil von Schülern weiterführender Schulen im Durchschnitt auf 15 %.

Es wurden sowohl Schulleiter und Hausmeister zum Ablauf und Problemen des Schulmilchverkaufs, als auch Schüler verschiedener Schultypen und Altersklassen zu ihren Trinkgewohnheiten, ihrem Wissen über den Gesundheitswert der Milch und ihrer Einstellung zur Schulmilch befragt. Der Bereich der Schulmilchversorgung wurde durch eine Befragung von 38 Schulmilchlieferanten beleuchtet (WEINDLMAIER und FALLSCHEER, 1997: 1).
Auf Ebene der Schulen erfordert Schulmilch als Folge der Auflagen einen erhöhten Zeitaufwand in der Organisation und beeinflusst damit das Angebot an Schulmilch negativ. Die Untersuchung deckt verschiedene Problembereiche auf. Genannt werden ein kompliziertes Schulmilchbeihilfesystem mit aufwendigen Kontrollen, hohe Kosten bei der Herstellung und im Vertrieb von Schulmilch, häufiges Anfahren von kleinen Schulen, höhere Provisionen bei Erfrischungsgetränken und die sinkende Zahl der Hausmeister an Schulen, 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 17 sodass ein regelmäßiger Verkauf an vielen Schulen nicht mehr gewährleistet ist (WEINDLMAIER und FALLSCHEER, 1997: 49-52).

Die Untersuchung ergab darüber hinaus, dass der Rückgang des Schulmilchkonsums nicht auf ein schlechtes Image von Schulmilch und Schulmilchgetränken zurückzuführen ist. Die Mehrzahl der Schüler sieht Milch eher als natürlich, erfrischend und sportlich an, wobei die Süße der Milchmischgetränke ausreichend ist (WEINDLMAIER und FALLSCHEER, 1997: 85f). Das Wissen über die Bedeutung von Milcherzeugnissen im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung sowie die Bedeutung von Calcium für das Wachstum bei Kindern und Jugendlichen wird als sehr gut eingeschätzt (WEINDLMAIER und FALLSCHEER, 1997). Schulleitung und Hausmeister sind in der Regel gegenüber der Schulmilch positiv eingestellt, beklagen jedoch den großen Aufwand in der Organisation des Verkaufs und den anhaltenden Rückgang in der Abnehmerzahl (WEINDLMAIER und FALLSCHEER, 1997: 100).
Die beschriebenen Studien benennen eine Vielzahl an Faktoren, die den Konsum von Schulmilch beeinflussen: das Vorhandensein eines Speisesaals, die Einstellung des Schulleiters, der Lehrer und Eltern, die Einführung normaler Milchpausen", die Größe der Schule, die Art der Schule (Grundschule oder weiterführende Schule) und die Art des Milchprogramms sowie die Produktvielfalt, die Möglichkeit der Kühlung von Milch und die Höhe des verlangten Preises (JACOBSON, 1961; WILLIAMS et al., 1955; WEINDLMAIER und FALLSCHEER, 1997).

Bezüglich des Preiseinflusses bleibt festzuhalten, dass in einer Situation mit einer Beihilfe der Konsum an Milch und Milchprodukten im Vergleich zu einer Situation ohne Beihilfe ansteigt. Damit stellt der Milchpreis einen wichtigen Einflussfaktor auf den Konsum dar. Einige Analysen stellen fest, dass eine Reduzierung von Beihilfen zu einem verminderten Konsum im Zeitablauf führt (CEAS und IADC 1999; GRIFFIN, 1990; WEINDLMAIER und FALLSCHEER, 1997).

2.4 Akteure im deutschen Schulmilchmarkt
Die verschiedenen Akteure in der Wertschöpfungskette Schulmilch" werden in Abbildung 2 dargestellt. Dazu zählen die Milcherzeuger, Molkereien, Händler und die schulischen Einrichtungen, und Schüler. Der Staat als Förderer" steht in Verbindung mit den einzelnen Akteuren und ist daher ein bedeutender Bestandteil in der Beschreibung der Wertschöpfung. Am Beginn des Vermarktungskanals stehen die Milcherzeuger, die entweder als Direktvermarkter fungieren oder als Milchlieferanten ihre Milch an eine Molkerei liefern. Milchlieferanten, die nicht Direktvermarkter sind, haben nur indirekten Einfluss über ihre Molkerei, entweder (1) es besteht ein vertragliches Verhältnis zwischen Landwirt und Privat-molkerei, (2) der Landwirt ist Mitglied in einer genossenschaftlich organisierten Molkerei 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 18 oder (3) der Landwirt ist Mitglied einer Milcherzeugergemeinschaft (MEG), die als Großanbieter gegenüber der Molkerei auftritt. Diese Beziehung wird an dieser Stelle nicht weiter untersucht.

In der Direktvermarktung gibt es bis zum Abnehmer keine weiteren zwischengeschalteten Akteure. Die landwirtschaftlichen Betriebe übernehmen die Produktion der Milch, die Verarbeitung dieser zur Schulmilch und deren Auslieferung an die Abnehmer. Jedoch spielt die Direktvermarktung im Absatzkanal nur eine untergeordnete Rolle. Der Anteil der Schulen, die von Milcherzeugern direkt beliefert werden, liegt in Deutschland bei lediglich 3 bis 5% (NENNEWITZ, 2006).

Die Molkereien liefern als Verarbeitungsstätte die hergestellten Schulmilchprodukte selbst an die Abnehmer oder sie können diese an einen zwischengeschalteten Händler vertreiben. Eine Kombination ist dabei nicht ausgeschlossen. Werden die Schulmilchprodukte über einen Händler an die schulische Einrichtung geliefert, so benötigt der Händler die Zulassung als Schulmilchlieferant. Bei dem molkereiinternen Vertrieb erfolgt die Abwicklung durch ein eigenes Logistiksystem oder über einen Kurierdienst bzw. Spediteur, wobei die Molkerei die Zulassung als Lieferant benötigt. Als Alternative ist zudem möglich, dass die Molkerei ihre Erzeugnisse über ein Tochterunternehmen - eine Vertriebsgesellschaft - absetzt.

Die Abnehmer der Schulmilch sind die schulischen Einrichtungen. Stellvertretend hierfür sind der Schulleiter und der Schulmilch-Koordinator zu nennen. Meist entscheidet der Schulleiter über die Teilnahme am Schulmilchprogramm und wählt den Lieferanten. Der Koordinator organisiert dagegen die Abwicklung der Bestellung beim Lieferanten und führt den Verkauf bzw. die Ausgabe der Schulmilch an die Schulkinder durch. Der Schulmilch-Koordinator ist häufig der Hausmeister einer Schule. Mit dem Schulmilchgeschäft fällt für diese Person ein hoher Zeitaufwand an, für die er üblicherweise eine Entlohnung von Seiten des Lieferanten erhält. Auch Probleme beim Schulmilchverkauf und der Organisation sind in der Regel nicht zu vermeiden und müssen von den Koordinatoren gelöst werden (WEINDLMAIER und FALLSCHEER, 1997: 100; WIETBRAUK, 1978: 472-474). Die Schulkinder bzw. deren Eltern kaufen die Schulmilch und sind somit das letzte Kettenglied. 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 19 Abbildung 2: Vermarktungskanal Schulmilch in Deutschland
Quelle: Eigene Darstellung.

Einfluss auf die Wertschöpfungskette nimmt auch der Staat bzw. die Politik. Das zuständige Landesamt ist für die Zulassung der schulischen Einrichtungen und Lieferanten, für die Festlegung der Höchstabgabepreise sowie für die Abwicklung und Gewährung der finanziellen Ausgleichszahlungen zuständig. Diese Behörde steht sowohl in Kontakt zu den schulischen Einrichtungen als auch zu den Molkereien, Direktvermarktern und Händlern, die die Schulmilcherzeugnisse an die Einrichtungen innerhalb des jeweiligen Bundeslandes liefern. Um ein Schulmilchgeschäft erfolgreich durchführen zu können, bedarf es der Zulassung von zwei Akteuren beim Landesamt, wobei einer davon immer die schulische Einrichtung darstellt. Der zweite Beteiligte ist das beliefernde Unternehmen, d. h. entweder der Direktvermarkter, die Molkerei oder der Händler. Die Landesämter haben gegenüber dem BMELV die Verpflichtung, ihre Liste mit den Höchstpreisen einschließlich einer Begründung zu melden. Das Bundesministerium wiederum legt diese Zahlen und Daten9 jährlich der Europäischen Kommission vor (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 2008; BMELF, 1985).
9 Anzahl Antragsteller , schulische Einrichtungen, durchgeführten Vor-Ort-Kontrollen und Ergebnisse, Mengen an Milcherzeugnissen, der beihilfefähigen Höchstmenge, Zahl der teilnehmenden Schüler; für den Zeitraum vom 1. August bis zum 31. Juli (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 2008). 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 20

Schulkind - Präferenzen/Abneigung gegenüber Milchprodukten - Verträglichkeit - Einstellung, Gewohnheit - Einflussnahme durch soziale Gruppen/Freunde/Familie Eltern - Präferenzen/Einstellung bezüglich gesunder Ernährung und Milch - Lebens-, Ernährungsstil - Beruf und Bildung - Wissen über gesunde Ernährung - Bereitstellung von Milchprodukten bzw. Substituten schulische Einrichtung - Schultyp - Organisation der Ausgabe - Verpflegungssituation - Pausengestaltung - Aufklärung der Kinder (Lehrplan) - Engagement der Lehrer - Räumlichkeiten/Ausstattung - Engagement der Schulleitung - Auswahl an Schulmilchprodukten - Aufklärung der Eltern und Substituten STAAT (Höchstpreis) Ernährungs-informationen milch-wirtschaftliche Landes-vereinigung Molkerei Produktpalette - Größe, Sortiment, Preis, Distribution, EDV, Lage (Anfahrtsweg) - Bereitschaft, die Schulen zu beliefern
Neben den Landesämtern sind die milchwirtschaftlichen Landesvereinigungen der Bundesländer Ansprechpartner für die einzelnen Akteure entlang der Wertschöpfungskette und nehmen eine Vermittlerrolle zwischen der Milchwirtschaft und den Behörden ein (MILCH NRW, 2009).

Die wechselseitigen Beziehungen der Akteure auf dem Markt für Schulmilchprodukte lassen sich, wie in Abbildung 3 dargestellt, beschreiben. Die Eltern kommen als weiterer Akteur hinzu, da die Nachfrage von Seiten der Schulkinder auch immer in Verbindung mit den Eltern steht: Denn die Kinder bzw. deren Eltern entscheiden letztendlich, ob sie ihren Kindern Schulmilch kaufen.

Bei Schulkindern spielt die Entwicklung von Gewohnheitsmustern und Präferenzen eine große Rolle. Ernährungsgewohnheiten entstehen bereits im Kindesalter und werden daher stark durch das soziale Umfeld geprägt und wirken sich entscheidend auf ihre spätere Gesundheit aus (GRIFFIN, 2004: 3). Die individuellen Bestimmungsgründe, die die Entscheidung eines Akteurs maßgeblich beeinflussen, sind zudem in der Grafik enthalten. So bestimmt beispielsweise der Schultyp (Grundschule oder weiterführende Schule, Ganz- oder Halbtagsschule) oder das Engagement der Schulmilch-Koordinatoren, der Schulleitung und der Lehrer die Nachfrage nach Schulmilchprodukten.
Abbildung 3: Marktgeflecht Schulmilch
Quelle: Eigene Darstellung nach Informationen des MRI, 2008.

Die Nachfrage wird dabei zentral von der schulischen Einrichtung beeinflusst, denn sie ist das verbindende Glied zur Angebotsseite. Gibt es kein Angebot von Schulmilchprodukten, so 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 21
haben die Kinder keine Möglichkeit diese zu konsumieren. Auf Seiten der Anbieter nehmen einerseits Molkereien und Direktvermarkter die entscheidende Rolle ein. Sie verarbeiten Milch zu verzehrsfertigen Schulmilchprodukten und bieten diese (zum Teil auch über Händler) den schulischen Einrichtungen zum Kauf an. Die Anbieter können im Rahmen der VO (EG) Nr. 657/2008 bzw. der Schulmilchbeihilfeverordnung (SchulMBhV) über das Schulmilchsortiment und dessen Präsentation, über die Distribution und bedingt über die Preise der Produkte entscheiden. Andererseits können Schulen über ihre Nachfrage Einfluss auf die Produktpalette nehmen: Beispielsweise spielen ernährungsphysiologische (Fett-, Zuckergehalt) und ökologische Überlegungen (Mehrwegglasflasche) eine Rolle bei der Wahl von Schulmilchprodukten.
Aufgrund der Subvention und der Festlegung von Höchstpreisen ist die freie Preisbildung eingeschränkt und unterliegt nicht vollständig dem Marktmechanismus. Damit hat die Politik einen bedeutenden Einfluss auf das Angebot und die Nachfrage. Je nach Höchstpreis kann somit eher die Nachfrage oder das Angebot stimuliert werden. Bei einem verhältnismäßig hohen Preis besteht die Gefahr einer kleinen Nachfrage, jedoch birgt ein gering angesetzter Preis die Gefahr, dass das Interesse der Molkereien verloren geht.
Die Landesvereinigungen koordinieren die Zusammenarbeit zwischen der Milchwirtschaft und den Behörden. Dabei fördern sie den Informationsaustausch, koordinieren die Zusammenarbeit und übernehmen hauptsächlich den Bereich der Marketingmaßnahmen. Im Kontext der Schulmilch sind sie die Kontaktstelle für Molkereien und Direktvermarkter (MILCH NRW, 2009). Die Nachfrage der Schulen nach Milch wird zudem beeinflusst von dem Angebot an Ernährungsinformationen. Dies können Unterrichtsmaterialien (z. B. Folien, Arbeitsblätter des aid, BZgA) sein, Aufklärungsmaßnahmen durch geschulte Fachkräfte (z. B. Landfrauen) oder Aktionstage an Schulen (z. B. Vision-Factory, Besuch auf dem Bauernhof) (AID, 2009; MILCH NRW, 2009; MURL, 1998: 643).

2.5 Preisbildung bei Schulmilch
2.5.1 Bewertung der Beihilfe
Aus ökonomischer Sicht stellt das EU-Schulmilchprogramm einen staatlichen Eingriff dar, der Einfluss auf den Milchkonsum bei Kindern nehmen soll. Aufgrund der Subvention werden Milch und Milchprodukte für Kinder bzw. deren Eltern günstiger, somit attraktiver und induzieren gegebenenfalls eine Substitution von Alternativprodukten, die nun im Vergleich einen geringeren Nutzen stiften. Allerdings sollte der Staat nur dann in den Markt-mechanismus eingreifen, wenn Marktversagen vorliegt. Das heißt, wenn der Mechanismus aus Angebot und Nachfrage nicht zu dem volkswirtschaftlich wünschenswerten Marktgleich-2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 22
gewicht führt. Marktversagen ist entweder auf das Vorliegen asymmetrischer Informationen, negativer externer Effekte oder auf Marktmacht zurückzuführen (MANKIW, 2001: 12, 171; HEINRICHSMEYER und WITZKE, 1994: 57f, 134). Im Kontext des EU-Schulmilchprogramms stellt sich daher die Frage, warum das Eingreifen des Staates als notwendig angesehen wird. Um dies zu erklären, wird zunächst der Milchkonsum von Kindern und Jugendlichen betrachtet.
Laut Empfehlung des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) sollen Kinder zwischen 7 und 12 Jahren täglich 400 bis 420 ml(g) Milch und Milchprodukte10 zu sich nehmen. Bei Jugendlichen liegt die Empfehlung für Mädchen bei 425 bis 450 ml(g) und für Jungen bei 450 bis 500 ml(g) (ALEXY, CLAUSEN und KERSTING, 2008: 171; DGE, 2008: 61, 78). Diese Empfehlungen werden vor allem in Hinblick auf die Deckung des täglichen Calciumbedarfs von Kindern getroffen. Wird der tatsächliche Milchkonsum mit den Verzehrempfehlungen verglichen, so liegt die Gruppe der 10- bis 12-jährigen Jungen knapp unter den Empfehlungen und die Mädchen derselben Altersgruppen erreichen diese gar nicht. Bei den Jugendlichen werden im Mittel die empfohlenen Verzehrsmengen für Milch und Milchprodukte erreicht, jedoch konsumiert etwa die Hälfte der 12- bis unter 18-Jährigen weniger als die empfohlene Menge (DGE, 2008: 63, 79). Die Calciumversorgung bei Kindern und Jugendlichen bis unter 19 Jahre wird allgemein als unzureichend eingestuft und die deutlich geringere Zufuhr bei den Mädchen als bedenklich beurteilt (DGE, 2008: 66).
10 100 ml Milch entsprechen ca. 15 g Schnittkäse bzw. 30 g Weichkäse (ALEXY, CLAUSEN und KERSTING, 2008).

Aufgrund des nicht zufriedenstellenden Verzehrs von Milchprodukten in bestimmten Haushalten kann angenommen werden, dass diese Haushalte Milch und Milchprodukte durch andere Produkte substituieren. Dadurch steigt das Erkrankungsrisiko für Adipositas, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Diabetes oder auch Osteoporose, weswegen mit erhöhten Ausgaben im Gesundheitssystem zu rechnen ist (PROMAR INTERNATIONAL, 2002: 22ff). Die DONALD-Studie belegt beispielsweise den Zusammenhang zwischen dem Verzehr verschiedener Arten von Erfrischungsgetränken und dem negativen Einfluss auf die Knochenentwicklung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (LIBUDA, REMER und KERSTING, 2009: 330). Gerade bei Heranwachsenden ist der Konsum von Milch und Milchprodukten wegen der Calciumversorgung, dem hochwertigen Eiweiß und der Vielzahl an Mikronährstoffen von großer Bedeutung für die Knochenentwicklung und die Gesundheit allgemein (PROMAR INTERNATIONAL, 2002: 15ff; JACOBSON, 1961: 3). Infolge der Substitution von Milch-erzeugnissen durch andere Lebensmittel entstehen mögliche Kosten im Gesundheitssystem, die von der Gesellschaft getragen werden müssen. Dies schließt auch diejenigen Haushalte mit ein, die nicht für die Kosten verantwortlich sind. Staatliche Eingriffe können daher insofern gerechtfertigt werden, da negative externe Effekte vorliegen. Die Konsumaktivitäten 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 23 eines Haushaltes beeinflussen andere Haushalte negativ, wodurch keine Pareto-optimale Situation erzielt wird (MANKIW, 2001: 228).
Da die Subventionierung der Schulmilcherzeugnisse den Konsum beeinflusst, wird sie der Kategorie Verbrauchersubventionen zugeordnet (HEINRICHSMEYER und WITZKE, 1994: 172). Die Wirkung einer Verbrauchersubvention auf Angebot und Nachfrage ist in Abbildung 4 dargestellt. Dabei wird angenommen, dass sich der Marktpreis ØÜ" aus dem Gleichgewicht von Inlandsangebot und -nachfrage bildet (ohne Außenhandel). Aufgrund der Subvention verschiebt sich die marktwirksame Nachfrage um den Subventionsbetrag ØÜ nach oben (N1ðN2).
Abbildung 4: Wirkung von Verbraucherbeihilfen
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an HEINRICHSMEYER und WITZKE, 1994.

Der Marktpreis ØÜØÜund die nachgefragte Menge ØÜ2 resultieren aus dem neuen Gleichgewichtspunkt ØÜØÜ. Der subventionierte Verbraucherpreis ØÜØÜergibt sich aus dem Marktpreis abzüglich des Subventionsbetrags. Aufgrund der Anhebung des Marktpreises sinkt der Verbraucherpreis nicht um den kompletten Subventionsbetrag, sondern lediglich um 9ØÜØÜ. Der Effekt, dass mit einer Verbrauchersubvention der Erzeugerpreis angehoben wird, wird als Überwälzung bezeichnet (HEINRICHSMEYER und WITZKE, 1994: 176-178).

Eine wohlfahrtsanalytische Betrachtung zeigt einen Wohlfahrtsverlust in Höhe der Fläche f. Die Produzenten gewinnen die Flächen a+b und die Konsumenten die Flächen c+d+e. Die Staatsausgaben belaufen sich auf die Flächen a bis f. In der beschriebenen Verteilungswirkung profitieren sowohl die Verbraucher als auch die Erzeuger. Da für den 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 24
Bereich der Schulmilch die VO (EG) Nr. 657/2008 verlangt, dass die komplette EU-Hilfe den Verbrauchern zugutekommen soll, werden Höchstabgabepreise festgesetzt.
2.5.2 Generelle Wirkung der Höchstpreispolitik
Wie bereits erwähnt, bildet sich der Preis für Schulmilcherzeugnisse nicht aus dem Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, sondern wird staatlich beeinflusst. Da die nationalen Behörden im Sinne der VO (EG) Nr. 657/2008 verpflichtet sind zu garantieren, dass sich der Beihilfebetrag auf den zu zahlenden Kaufpreis niederschlägt (siehe dazu Kapitel 2.2), werden in Deutschland im Rahmen der SchulMBhV 1985 Höchstabgabepreise festgelegt. Diese Aufgabe fällt den zuständigen Behörden auf Landesebene zu. Jede Landesbehörde legt daher eigene Höchstabgabepreise fest, um eine flächendeckende Schulmilchbelieferung sicherzustellen und zu gewährleisten, dass die Preise für alle Absatzwege kostendeckende Erlöse ermöglichen (LANUV, 2009).
Werden die Höchstpreise aus ökonomischer Sicht betrachtet, so können diese im Rahmen staatlicher Maßnahmen als Instrument zur Preiskontrolle, welches auf die Nachfrage gerichtet ist, begriffen werden. Sie greifen somit unmittelbar in die Preisbildung ein. Abbildung 5 zeigt die Wirkung von Höchstpreisen, die unter dem Marktgleichgewicht11 liegen:
11 Höchstpreise können auch über dem Gleichgewichtspreis liegen, sind dann aber nicht wirksam. Es gilt weiterhin der gleichgewichtige Preis. 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 25
Abbildung 5: Wirkung von Höchstpreisen

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an MANKIW 2004.
Bei einem Höchstpreis (engl. price ceiling) wird auch von einer Preisobergrenze ØÜØÜØÜØÜ, zu der ein Gut verkauft werden darf, gesprochen. Diese ist nur dann wirksam, wenn sie unter dem vorherrschenden Gleichgewichtspreis ØÜ"liegt. Aufgrund der Preisbeschränkung auf ein gesetzliches Maximum wird angenommen, dass es zu einem Nachfrageüberschuss bzw. zu einer Angebotslücke in Höhe von (ØÜØÜ"ØÜØÜ) kommt, was eine Rationierung des knappen Gutes unter der großen Nachfragerzahl notwendig machen würde (MANKIW, 2004: 124-126).

Im Fall der Schulmilchproblematik dienen die Höchstabgabepreise in erster Linie dazu, die Nachfrager besser zu stellen. Dies bedeutet, dass die gesetzliche Obergrenze das Mittel zum Zweck ist. Durch sie soll sichergestellt werden, dass die Subvention bzw. der Beihilfebetrag ØÜden Konsumenten zugutekommt und nicht die Verkaufserlöse der Produzenten erhöht (im Sinne der in Kapitel 2.5.1 beschriebenen Überwälzung). Die Wohlfahrtsanalyse zeigt, dass die Konsumenten die Flächen a+b+c gewinnen, während die Produzentenrente dagegen unverändert bleibt. Somit führen die Höchstabgabepreise dazu, dass ausschließlich die Nachfrager besser gestellt werden. Weiterhin sollen die Höchstpreise sicherstellen, dass die Ziele des EU-Schulmilchprogramms nämlich die Erhöhung des Milchkonsums bei Kindern und Jugendlichen erreicht werden. Der auf ein Maximum beschränkte Verkaufspreis dient somit zur 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 26 . 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 27 eine Portion Milch und somit die Subvention in Höhe von 4,4 Cents in Anspruch nehmen. Da die Beihilfe pro Mengeneinheit ausgezahlt wird und von der Abgabeform, wie der Verpackung oder der Portionsgröße, unabhängig ist, müssen bei der Kalkulation der Höchstabgabepreise solche Aspekte berücksichtigt werden. 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 28
hingegen nur bei 3 Cents, in Mecklenburg-Vorpommern bei 0 Cents und in Rheinland-Pfalz dafür sogar bei 10 Cents.

Die Höchstpreise können zwischen konventioneller Milch oder Bio-Milch differieren. In neun Bundesländern wird Schulmilch in Bio-Qualität angeboten; dabei handelt es sich hauptsächlich um Vollmilch ohne Zusatz. Der Preisaufschlag in den Höchstpreisen liegt zwischen 0 und 5 Cents für 250 ml.

Die Art der Verpackung (Mehrweg, Einweg, lose (Zapfsystem, Großgebinde)) spielt ebenfalls eine Rolle. Die Mehrwegverpackung wird mit der Glasflasche gleichgesetzt, für die innerhalb einer Produktkategorie in der Regel kein anderer Höchstpreis gilt. Eine Ausnahme bilden Bayern und Hessen, deren Höchstabgabepreise für die Glasflasche um 5 Cents höher liegen als für die Einwegverpackung.

Hinsichtlich des Fettgehalts (Vollmilch mit mindestens 3,5 % Fett und Vollmilch mit 3,8 % Fett) ist anzumerken, dass seit dem 1. Januar 2008 die Beihilfe unabhängig von dem Fettgehalt der Milch gezahlt wird. Die Höchstabgabepreise dürfen daher aufgrund des Fettgehaltes nicht differieren. Grundsätzlich ist dies bei Vollmilch und teilentrahmter Milch auch zu beobachten. Lediglich Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen weisen unterschiedliche Preise für Vollmilch mit mindestens 3,5 % und für Vollmilch mit 3,8% Fett aus. Schulmilch aus vollentrahmter Milch wäre vonseiten der EU beihilfeberechtigt, ist aber in den Listen nicht enthalten.
Anhand dieser Kriterien erfolgt die Auflistung der Schulmilcherzeugnisse in Deutschland, wobei die Listen in der Regel bei der Landesbehörde bzw. den zuständigen Ämtern erhältlich sind. In Nordrhein-Westfalen ist dafür das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucher-schutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) zuständig. Die Liste ist über den Internetauftritt des LANUV frei verfügbar (LANUV, 2009).

In Bezug auf Gesamtdeutschland ist dabei auffällig, dass lediglich eine Auswahl an Produkten aus der Liste der Erzeugnisse der VO (EG) Nr. 657/2008 angeboten wird. Die Auswahl beschränkt sich hauptsächlich auf Trinkmilcherzeugnisse, die der Kategorie I zuzuordnen sind. Nicht aufgeführt sind beispielsweise Fruchtjoghurt, fettreduzierter Joghurt oder Erzeugnisse der Kategorie II sowie sämtliche Käse. Dies führt zu der Annahme, dass das neue, erweiterte EU-Schulmilchprogramm bisher keine deutlichen Auswirkungen auf die einzelnen Landesebenen genommen hat. Obwohl die Erweiterung der Produktpalette vorrangiges Ziel war, ist die Resonanz in Deutschland darauf gering. Wiederum kann dies auch darin begründet sein, dass kein Angebot seitens der Hersteller oder keine Nachfrage der Schulen besteht. 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 29 Im Folgenden soll auf Grundlage von Vollmilch (mit/ohne Zusatz) sowie der Portionsgröße 250 mlTabelle 1 dargestellt. Das Saarland ist das einzige Bundesland, in dem seit dem 1. Juni 2005 keine Inanspruchnahme der Beihilfe möglich ist, da dieses Bundesland nicht mehr am Schulmilch teilnimmt. In Deutschland besteht eine erhebliche Preisspanne. Das obere Segment der Höchstpreise wird von Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein gebildet. Das untere Segment umfasst Berlin, Brandenburg und Rheinland-Pfalz. Bei den betrachteten Erzeugnissen liegen Niedersachsen und Bremen sehr nahe am Durchschnitt, der für die 250-ml-Portion bei 33 Cents für Vollmilch und bei 37 Cents für Vollmilch mit Zusatz liegt. Der häufigste Preis bei diesen Erzeugnissen beträgt 30 bzw. 35 Cents. Das zeigt, dass der Modus in beiden Fällen unter dem Durchschnitt liegt, was auf eine schiefe Verteilung mit Ausreißern im oberen Preissegment hindeutet. 15 bzw. 1 l detaillierter auf die Preisgestaltung in den Bundesländern eingegangen werden. Diese wird in 15 Da 250 ml der beihilfeberechtigten Höchstmenge pro Schulkind und -tag entsprechen, ist dies logischerweise die gängige Mengeneinheit einer Schulmilchpackung und daher im Folgenden auch häufig Referenzpunkt der Analyse.

Der Literpreis für Schulmilch ist keineswegs mit den Milchpreisen im Lebensmitteleinzelhandel gleichzusetzen. Er stellt aber eine interessante Betrachtungsgröße dar, da Milch als Leitprodukt im Lebensmitteleinzelhandel gilt. Käufer verfügen bei Milch über ein gutes Preiswissen und der Milchpreis wird häufig zur Beurteilung einer Einkaufsstätte herangezogen. Aufgrund der Preissensibilität der Verbraucher für Milchprodukte führen geringe Preissteigerungen zu einer deutlichen Kaufzurückhaltung (WOCKEN et al. 2008: 37f). Wird von einem Marktpreis bei Vollmilch (3,5 %, Karton) von durchschnittlich 0,56 €im Jahr 2008 (ZMP) ausgegangen, so sind die Portionsverpackungen der Schulmilch mit einem Literpreis von deutlich über einem Euro teurer, was durch die zusätzlichen Dienstleistungen bedingt ist. Gerade bei Eltern mit geringen finanziellen Mitteln kann dies durchaus ein Grund sein, welcher gegen den Kauf von Schulmilch spricht. Lediglich die Literpackungen (d. h. die Milchportion wird lose an die Schulkinder ausgegeben, wie beispielsweise über ein Zapfsystem) sind konkurrenzfähig. Laut der Auflistung kosten gezapfte 0,25-l-Portionen 20 Cents im Verkauf (nur für Milch ohne Zusatz). Abschließend ist der Literpreis einschließlich der Beihilfe in der letzten Zeile der Tabelle aufgeführt. Die Differenz kann als derjenige Betrag interpretiert werden, den der Produzent zur Verfügung hat, um die zusätzlichen Kosten des höheren Aufwands an Verpackung, Distribution etc. zutragen.
Es stellt sich die Frage, welche Faktoren die unterschiedlichen Schulmilchpreise innerhalb Deutschlands beeinflussen und ob der Milcherzeugerpreis dabei eine Rolle spielt. Da die Höchstabgabepreise zu verschiedenen Zeitpunkten geändert wurden, werden die Milcherzeugerpreise seit 2000 an betrachtet. Dazu wurden Jahresdurchschnittswerte der ab- 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 30
Hof-Preise für Milch mit standardisierten Inhaltsstoffen (3,7 % Fett und 3,4 % Eiweiß) für die Bundesländer verwendet. Der Vergleich mit den Höchstabgabepreisen für Schulmilcherzeugnisse konnte die Annahme jedoch nicht bestätigen und somit wurde keine Erklärung für die Differenzen zwischen den Bundesländern anhand der Erzeugerpreise identifiziert. 2 Schulmilch und Schulmilchprogramm 31
Institut für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik

Endbericht
Teilprojekt 4: Akzeptanz und Zahlungsbereitschaft für neue Schulmilchprodukte
Projekt des BMELV im Rahmen der ökonomischen Begleitforschung zum Bundesmodellvorhaben Schulmilch im Fokus"
Dr. Inken B. Christoph, Dr. Petra Salamon, Dr. Doreen Bürgelt, Dr. Günter Peter, Daniela Weible, Andrea Rothe, Dr. Sascha A. Weber Gefördert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
I
1 Einleitung
1.1 Hintergrund

Der Katalog beihilfefähiger Produkte, aber auch zusätzliche Beschränkungen der einzelnen Mitgliedsstaaten, limitieren das Angebot an Milchprodukten im Rahmen des Schulmilchprogramms. Dabei könnte ein breiteres Angebot die Absatzchancen deutlich verbessern. Dies gilt insbesondere bei Schülern höherer Jahrgangsstufen, in denen immer weniger Schulmilch konsumiert wird (WEINDLMAIER und FALLSCHEER, 1997). Eine Erweiterung der Schulmilchpalette kann dabei dann einen erheblichen Einfluss auf die Nachfrage haben, wenn dadurch mehr Schüler Schulmilch konsumieren. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu untersuchen, was für Produkte von Eltern, wie auch Schulkindern selbst, präferiert werden. Außerdem sollten sowohl verschiedene Produkte (z. B. Milch, Joghurt, Quark) als auch bestimmte Produkteigenschaften (z. B. Fettgehalt, Süßungsmittel) in die Überlegungen mit einbezogen werden, um die unterschiedlichen Aspekte der beihilfefähigen Produktpalette zu berücksichtigen.

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, welche Produkte aber auch welche Produkteigenschaften bei Eltern wie auch Kindern besonders stark oder wenig geschätzt werden. Daraus soll eine mögliche Erweiterung der Schulmilchpalette abgeleitet werden, um gegebenenfalls den Absatz an Schulmilch zu erhöhen. Insbesondere mit Hilfe einer Zahlungsbereitschaftsanalyse soll herausgefunden werden, ob bestimmte Produkteigenschaften den erzielbaren Preis erhöhen oder verringern. Es soll explizit berücksichtigt werden, dass die Produkte an der Schule konsumiert werden. Daher wird die Studie nicht bezogen auf Milchprodukte im Allgemeinen durchgeführt, sondern speziell fokussiert auf die Produkte, die an der Schule konsumiert werden.
Die vorliegende Arbeit baut dabei auf einer Reihe von Überlegungen hinsichtlich der Kauf und Zahlungsbereitschaften auf, die zum besseren Verständnis in Abbildung 1 dargestellt sind. Vor dem eigentlichen Produktkauf muss für das zu betrachtende Produkt eine Zahlungsbereitschaft entstehen. Aus der Abbildung wird deutlich, dass die Entstehung einer Zahlungsbereitschaft kein einfaches Konstrukt ist, sondern in vielfältiger Weise von einer Vielzahl von Einflussfaktoren abhängt.
Die Zahlungsbereitschaft ist dabei der maximale Geldbetrag, den ein Verbraucher für ein bestimmtes Produkt, im vorliegenden Falle für ein Schulmilchprodukt, zu zahlen bereit ist. Sie resultiert aus der Bereitschaft des Verbrauchers, ein Schulmilchprodukt zu kaufen. 1 Einleitung 2
Solange diese Kaufbereitschaft nicht existiert, besteht auch keine Zahlungsbereitschaft. Die Kaufbereitschaft hängt wesentlich davon ab, ob das Produkt durch den Verbraucher akzeptiert wird. Die Produktakzeptanz wird durch Präferenzen sowie von allgemeinen Einstellungen das Produkt betreffend bedingt. Die Einstellungen determinieren, was der Verbraucher an Informationen aufnehmen und an was er sich erinnern wird (ZIMBARDO UND GERRIG, 1995, S.709). Die Einstellungen wiederum werden u. a. durch das Sachwissen, das der Verbraucher über das Produkt hat, bestimmt. Dazu gehören der Preis, bestimmte Produkteigenschaften (z. B.: Fett-, Zuckergehalt) oder frühere eigene Erfahrungen mit dem Produkt bzw. Erfahrungsberichte von Dritten, deren Urteil vertraut wird. Das Sachwissen kann dabei die Einstellung ins Positive wie auch Negative lenken.

Abbildung 1: Schematische Übersicht zur Entstehung von Zahlungsbereitschaften
Quelle: verändert nach Christoph 2008. BereitsbestehendeInformationenüberdas ProduktSonstigeEinflüsseSozioökonomischeVariablenPräferenzenbezüglichdes ProduktesAkzeptanzdes ProduktsKaufbereitschaft/ZahlungsbereitschaftSachwissenBereitsbestehendeEinstellungenSozialwissenschaftliche BasisÖkonomischeBasisEinstellunggegenüberdemProzessund ProduktProduktkauf
Sozioökonomische Charakteristika wie Alter, Geschlecht, Bildung oder Einkommen sind ebenfalls von Bedeutung und können einen Einfluss auf alle nachfolgenden Bereiche ausüben. Gleiches gilt auch für die unter sonstige Einflüsse" zusammengefassten Variablen. Hierbei handelt es sich um eine Vielzahl von Faktoren, von denen im Folgenden nur zwei näher betrachtet werden sollen. Der Erste ist das sogenannte Involvement einer Person. Im Falle hohen Involvements ist der betrachtete Verbraucher bereit, sich kognitiv als auch emotional mit der Schulmilch auseinanderzusetzen. Sie wird versuchen, möglichst viele Informationen zu erhalten und verbessert dadurch auch ihr Sachwissen. Das wiederum hilft ihr, eine eigene Einstellung zu diesem Thema zu erlangen und reflektierte Entscheidungen zu treffen (JUNGERMANN ET AL., 2005, S.34). Ein zweiter wichtiger Aspekt sind die sozialen Gruppen, in denen entweder die Eltern oder auch die Kinder selbst verkehren. Selbst wenn ein Kind Schulmilch trinken möchte, wird es dies unter Umständen nicht tun, wenn z. B. 1 Einleitung 3
Klassenkameraden Schulmilchprodukte kategorisch ablehnen. Andererseits ist es im Umkehrschluss auch denkbar, dass ein Kind, das Schulmilch ablehnt, diese innerhalb der eigenen Bezugsgruppe konsumieren wird. Das Sachwissen wird außerdem von bereits bestehenden Einstellungen, das Produkt bzw. die ganze Produktgruppe (Milchprodukte) betreffend, aber auch von bereits bestehenden Informationen beeinflusst. Eltern, die generell gegen Milchprodukte sind, werden seltener über Sachwissen verfügen, das die positiven Eigenschaften der Milchprodukte hervorhebt. Dies liegt daran, dass Informationen, die nicht kongruent zu den persönlichen Erwartungen sind, eher uminterpretiert bzw. ignoriert werden als solche, die den Vorstellungen entsprechen. Daher hat das Sachwissen einen subjektiven Anteil und ist nicht, wie es der Name erwarten ließe, rein objektiv (ZIMBARDO UND GERRIG, 1995, S.370). Basierend auf diesem theoretischen Konstrukt werden die vielfältigen Einflussgrößen möglichst umfangreich mit Hilfe dreier Online-Fragebögen für Eltern, Kinder und Jugendliche in die Untersuchung einbezogen. Das Verfahren der Online-Befragung wurde aus verschiedenen Gründen gewählt: zum einen ist eine postalische Befragung deutlich zeitintensiver als eine Online-Befragung. Das mit der Umsetzung der Online-Befragung beauftragte externe Unternehmen stellte die erhobenen Daten bereits als Datensatz zur Verfügung und zwei Wochen nach Beginn der Befragung konnte mit den Auswertungen begonnen werden. Zum anderen kann mit Hilfe einer Online-Befragung deutlich besser eine repräsentative Stichprobe erzielt werden. Mit Hilfe festgelegter Quoten für bestimmte Merkmale wie beispielsweise Geschlecht, Alter, Einkommen oder Wohnort kann eine (annähernd) gleiche Verteilung dieser Merkmale in der Grundgesamtheit erreicht werden. Kritisch anzumerken ist jedoch, dass nur Personen befragt werden können, die auch Zugang zum Internet haben, was ebenfalls einer Vorselektion gleichkommt. Mit Hilfe der drei Fragebögen werden sowohl sozioökonomische und psychometrische Einflussgrößen erfasst als auch die zur Berechnung der Zahlungsbereitschaft erforderlichen Daten. Grundlage für die Formulierung der Fragebögen sind Hypothesen über mögliche Erfolg versprechende Neuerungen der Schulmilchpalette sowie mögliche Einflussgrößen der Zahlungsbereitschaft für Schulmilch.
Die weitere Arbeit gliedert sich dabei wie folgt: Im zweiten Kapitel wird das der Analyse zugrundeliegende theoretische Konstrukt vorgestellt. Dafür wird in Kapitel 2.1 das Prinzip der Zahlungsbereitschaften vorgestellt. Dabei ist das Nutzenkonzept Inhalt des Kapitels 2.1.1 und das Konzept der Choice-Experimente Bestandteil des Kapitels 2.1.2. Anschließend werden in Kapitel 2.2 mit dem Nested-Logit-Modell und dem Latent-Class-Modell in Kapitel 2.3 zwei ökonometrische Modelle zur Berechnung von Choice-Experimenten diskutiert. Die Elternbefragung ist Thema des dritten Kapitels. Dabei werden in Kapitel 3.1 die Fragebogeninhalte kurz erläutert, bevor in Kapitel 3.2 die Ergebnisse der deskriptiven 1 Einleitung 4
Analyse präsentiert werden. Anschließend widmet sich Kapitel 3.3 der Analyse der Zahlungsbereitschaften. Die Befragung von Kindern und Jugendlichen ist Inhalt des vierten Kapitels. Nach der Vorstellung der Fragebögen in Kapitel 4.1, ist die Befragung der Kinder Thema des Kapitels 4.2. Anschließend werden in Kapitel 4.3 die Untersuchungsergebnisse der Jugendlichen präsentiert. Kapitel 5 schließt mit einer Zusammenfassung und Schlussfolgerungen.2 Theoretisches Konstrukt 5

2 Theoretisches Konstrukt
2.1 Analyse der Zahlungsbereitschaft
Zentrales Thema dieses Teilprojektes ist die Analyse der Zahlungsbereitschaft für neue Schulmilchprodukte. In Abbildung 1 sind die Zusammenhänge zwischen bestehenden Präferenzen und der Zahlungsbereitschaft für ein Produkt detailliert dargestellt. Es wird dabei deutlich, dass Präferenzen aus dem Nutzen eines Produkts für den Konsumenten entstehen. Die Analyse der Zahlungsbereitschaft baut auf diesem Konzept des Nutzens auf, das im Folgenden kurz beschrieben wird. Anschließend werden die angewendete Methode, das Choice-Experiment, sowie die verwendeten Modelle erläutert.

2.1.1 Konzept des Nutzens
Verbraucherpräferenzen können mit Hilfe von Nutzenfunktionen dargestellt werden (MORIKAWA ET AL., 2002). Dieses Konzept geht auf Arbeiten von Lancaster und McFadden zurück. Ersterer revolutionierte in den 1960er Jahren das Nutzenkonzept durch seinen Charakteristikaansatz (LANCASTER, 1966).
Die Grundidee des Konzepts besteht darin, dass das Produkt per se dem Verbraucher noch keinen Nutzen schafft. Das Produkt besteht jedoch aus verschiedenen Produktcharakteristika, den Attributen1, aus denen der Verbraucher seinen Nutzen zieht. Das heißt im vorliegenden Fall, dass das Schulkind seine Zufriedenheit mit dem Produkt nicht aus dem Gesamtprodukt Schulmilch zieht, sondern aus den verschiedenen Eigenschaften (Charakteristika) des Produktes. Dies sind beispielsweise der Geschmack, der Zucker- und Fettgehalt, das Aroma oder die Trinktemperatur.
1 Im Folgenden werden die Wörter Charakteristikum und Attribut synonym verwendet.
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Endbericht Teilprojekt 6:
Preiselastizität der Milchnachfrage Projekt des BMELV im Rahmen der ökonomischen Begleitforschung zum Bundesmodellvorhaben Schulmilch im Fokus"
Jochen Schmitz, Dr. Petra Salamon, Dr. Doreen Bürgelt, Dr. Günter Peter, Dr. Martin Banse Gefördert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
1 Einleitung
Die Nachfrage nach Schulmilch geht an deutschen Schulen stetig zurück. Um die Situation mittel- und langfristig positiv beeinflussen zu können, hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen das Bundesmodellvorhaben Schulmilch im Fokus" initiiert. Die Begleitforschung wird vom Max Rubner-Institut (MRI) und dem Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) durchgeführt. Die meisten Aspekte in der ökonomischen Begleitforschung konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen. Dort wurden rund 500 Grundschulen in einer geschichteten Zufallsstichprobe ausgewählt, in denen ein Preisexperiment durchgeführt wurde. Im Rahmen dieses Experiments wurde der Schulmilchpreis während des Schuljahres 2008/09 stufenweise gesenkt und im Schuljahr 2009/10 stufenweise wieder angehoben und die sich jeweils ergebenden Bestellmengen in unterschiedlicher Tiefe erfasst. Neben dem Einfluss von ökonomischen Faktoren wie beispielsweise des Preises und des Einkommens sollen weitere mögliche Determinanten wie Einstellungen und Verhaltensweisen aller Beteiligten, soziale Stellung und soziales Umfeld der Familie, das Geschlecht oder das Angebot, der Schulmilchnachfrage quantifiziert werden. Basierend auf den Ergebnissen sollen Lösungsansätze für eine verbesserte Teilnahme am Schulmilchprogramm der EU für Deutschland erarbeitet werden. Dabei werden die verschiedenen Akteure der Wertschöpfungskette Schulmilch und ihre Interaktionen untersucht: die Schulkinder und deren Eltern, die Klassenlehrer, die Schulleiter, die Schulmilch-Koordinatoren, die Milchindustrie und nicht zuletzt der Staat. Diese sind durch jeweils unterschiedliche Interessen, Einstellungen und Kenntnisse geprägt und können dadurch das Marktergebnis beeinflussen.

Wie oben geschildert konzentriert sich die Datengewinnung und analyse auf das Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die dort gewonnenen Ergebnisse können aber nur bedingt auf andere Bundesländer übertragen werden. Zum einen basiert die Stichprobenziehung auf der Grundgesamtheit aus Nordrhein-Westfalen, zum anderen bestehen zwischen den Bundesländern sozial und kulturell bedingte Verhaltens- und Nachfrageunterschiede. Das Hauptprojekt wird daher ergänzt durch zwei Teilprojekte, die sich auf Deutschland als Gesamtes beziehen. Als eine wesentliche Frage wird angesehen, wie sich die Elastizitäten in der Nachfrage nach Milch und Milchprodukten deutschlandweit entwickelt haben und ob es Unterschiede zwischen Haushalten mit Kindern und kinderlosen Haushalten gibt. Im vorliegenden Teilprojekt 6 werden daher nationale differenzierte Preis- und Einkommenselastizitäten ermittelt. Für die Durchführung entsprechender Nachfrageschätzun-gen sind differenzierte Daten nötig. Die letzte Einkommens- und Verbrauchsstichprobe wurde 2008 vom Statistischen Bundesamt durchgeführt, die Ergebnisse liegen allerdings noch nicht 1 Einleitung 2 vor. Daher wird auf Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zurückgegriffen, die sowohl sozioökonomische Aspekte als auch regionale Differenzierungen berücksichtigen. Die Vorgehensweise ist folgende: Die monatlichen Daten der GfK beziehen sich auf die Jahre 2005 bis 2009. Sie werden in einem gemeinsamen Datensatz zusammengefasst und bereinigt, so dass die Daten dann die Grundlage für die Schätzung eines Nachfragesystems für Milch und Milchprodukte bilden. Die Schätzung eines Nachfragesystems wird angestrebt, damit Preis- und Substitutionseffekte aller Milchprodukte adäquat simultan erfasst werden. In diesem Zusammenhang wird das Nachfragesystem für die folgenden drei Haushaltsgruppen abgeleitet: alle Haushalte, Haushalte mit Kindern und kinderlose Haushalte, wobei die Schätzungen mit dem Programmpaket STATA erfolgt. Die geschätzten Parameter werden anschließend zur Berechnung der Elastizitäten verwendet. In einem weiteren Schritt wird eine übergeordnete Produktgruppe geschätzt, die Milch und Milchprodukte als eine Gruppe, Fleisch und Fleischwaren als weitere Gruppe, sowie Obst, Gemüse und alkoholfreie Getränke als dritte Gruppe umfasst.

Der vorliegende Bericht ist wie folgt gegliedert: An die Einführung in Abschnitt 1 schließt sich eine kurze Beschreibung der verwendeten Daten in Abschnitt 2 an. Neben der Beschreibung der Daten selbst sind die mit den Daten verbundenen Probleme sowie die eingesetzten Verfahren zur Datenbereinigung dargestellt. In Abschnitt 3 wird zusammenfassend die Literatur für Systemschätzungen vorgestellt und die Schätzung des Nachfragesystems theoretisch abgeleitet. Kurz angerissen und diskutiert werden ebenfalls absehbare Problembereiche. Abschnitt 4 umfasst die Darstellung der Durchführung der Schätzung. Neben der eigentlichen Durchführung wird an dieser Stelle auch kurz auf die exogenen Variablen des Modells und deren Verteilung eingegangen. Der anschließende Abschnitt 5 beinhaltet die quantitativen Ergebnisse der Studie. Er beginnt mit einer deskriptiven Darstellung der Haushaltsausgaben, der Einkaufsmengen und der Durchschnittswerte für die verschiedenen Milchprodukte, differenziert für die betrachteten Haushaltsgruppen. Zusätzlich wird kurz auf die regionalen Unterschiede eingegangen. Im Anschluss werden die geschätzten Elastizitäten zusammengefasst und diskutiert. Insbesondere wird auf die Unterschiede zwischen den Haushaltsgruppen eingegangen, also zwischen Haushalten mit Kindern und kinderlosen Haushalten. Die eigentlich geschätzten Parameter sind im Anhang zu finden. Eine Zusammenfassung in Abschnitt 6 schließt den Bericht.2 Datengrundlage 3

2 Datengrundlage
Sämtliche zur Analyse verwendeten Daten für diesen Bericht stammen aus dem Haushaltspa-nel der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg. Im Rahmen des Haushaltspa-nels werden alle Einkäufe des betreffenden Haushalts im Bereich der sogenannten Fast Moving Consumer Goods (FMCG)" regelmäßig, meist wöchentlich, per Scan erfasst. Diese Gruppe umfasst Lebensmittel, Getränke, Reinigungsmittel und Kosmetika. Im Verbrau-cherpanel werden die täglichen Einkäufe der Haushalte über ein Electronic Diary, einem EAN-Handscanner, oder per ScanIT bzw. ScanEasy erfasst1. Bei der Erfassung wird die Einkaufsstätte, der Barcode (EAN-Kode), der Preis pro Einheit und die Anzahl der Einheiten eingegeben. Falls kein Code vorliegt, zum Beispiel bei frischen Produkten oder Einkäufen auf dem Wochenmarkt, erfolgt die Eingabe mit Hilfe eines Kodierungsbuchs (Codebuch). Neben den Informationen über die Einkäufe liegen Informationen über die sozioökonomischen Merkmale der Haushalte vor. Die Haushalte entsprechen einer repräsentativen Stichprobe für Deutschland. Basierend auf den Informationen aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes am Ort der Hauptwohnung, erfolgen Vorgaben für Quoten für die Schichtung die einzubeziehenden Haushalte. Da regelmäßig Haushalte aus dem Panel ausscheiden, werden kontinuierlich neue Haushalte akquiriert. Die Haushalte gehören unterschiedlichen Panels an, wobei für die folgenden Untersuchungen zwei herangezogen werden: das sogenannte Große Panel", in dem die meisten abgepackten Produkte erfasst werden, und das Frische Panel", in dem die frischen Produkte ermittelt werden. Das Frische Panel" umfasst Produkte wie Käse, Fleisch, Wurst und Obst, die oft an der Frischetheke eines Supermarktes oder am Wochenmarkt gekauft werden. Insgesamt umfasst das Große Panel" 30.000 Haushalte im Jahre 2009, wobei die Anzahl seit 2005 von 17.000 Haushalten kontinuierlich erhöht wurde. Im Frische Panel, das einen höheren Aufwand für die Haushalte mit sich bringt, ist die Anzahl der Haushalte nunmehr auf 9.500 in 2009 ausgedehnt worden.
1 http://www.gfkps.com/scan/instruments/panels/index.de.html

Die im Folgenden verwendeten Daten umfassen die beiden folgenden Bereiche: Es steht jeweils ein spezieller Datensatz für die weiße Produktlinie des Großen Panels" und für die gelbe Produktlinie des Frische Panels" zur Verfügung. Ein Hauptunterschied zwischen beiden Datensätzen liegt in der Stichprobengröße. In dem Datensatz der weißen Produktlinie befinden sich 18.675 Haushalte im Jahr 2009. Der Datensatz der gelben Produktlinie umfasst im selben Jahr lediglich 9.531 Haushalte. Für beide Linien, die in getrennten Datensätzen 2 Datengrundlage 4
enthalten sind, liegen regional differenzierte Monatsdaten für die Haushalte aus dem Zeitraum 2005 bis 2009 vor. Zusätzlich stehen jeweils sozioökonomische Merkmale zur Verfügung. Die jeweiligen Datensätze beinhalten folgende

Variablen:
Haushaltsnummer
Monatliches Haushaltsnettoeinkommen
Anzahl der Kinder im Haushalt
Nationalität (Dummy-Variable: 0 deutsch" 1 nicht-deutsch")
Haushaltsgröße (Anzahl der im Haushalt lebenden Personen)
Bildung (höchster Bildungsabschluss)
Bundesland
Menge der gekauften Produkte
Wert der gekauften Produkte
Preise der gekauften Produkte
Über folgende Produkte liegen aus dem Großen Panel Informationen vor:
Milch- und Milchgetränke (Milchgetränke = Trinkjoghurt, Milchmischgetränke, Molke, Buttermilch, Kefir und andere)
Joghurt (= Frucht- und Naturjoghurt)
Quark (= Frucht-, Natur- und pikanter Quark inkl. Zaziki)
Gekühlte Desserts (= Pudding, Milchreis, Grütze, Götterspeise und andere aus dem Kühlregal)
Milchrahmerzeugnisse (= Sahne, Schmand, Creme Fraiche)
Butter/-zubereitungen
Alkoholfreie Getränke
Aus dem Frische Panel stehen zur Verfügung:
Hart-/Schnittkäse
Weichkäse
Frischkäse
2 Datengrundlage 5
Schmelzkäse
Fleisch/Wurst
Obst
Gemüse

2.1 Datenkennzeichnung
Die Monatsdaten werden für die Analysen weiter aufbereitet. Um den Zeitpunkt, also das Jahr und den Monat als auch die Produktgruppe zu unterscheiden, wird an die drei Variablen eine Zahlenkombination angehängt: Wert_2009112 Die ersten vier Zahlen bezeichnen das Jahr. Im obigen Beispiel das Jahr 2009. Die nächste Ziffer steht für die entsprechende Produktgruppe. Dabei steht eine eins für die weiße Produktgruppe insgesamt. Die letzte(n) Ziffer(n) geben Auskunft über den Monat, in dem die Einkäufe erfolgten. Diese Zahl(en) laufen von 1 (Januar) bis 12 (Dezember). Somit ist eine eindeutige Zuordnung der gekauften Mengen zu einem Zeitpunkt als auch für eine Produktgruppe möglich. Die letzten drei genannten Variablen Wert, Menge und Preis bedürfen einer ausführlicheren Beschreibung. Die Variable Menge" umfasst die Menge der eingekauften Güter in Kilogramm (z. B. Fleisch oder Quark) oder Liter (z. B. Milch). Die Variable Wert" ist der gezahlte Betrag in Euro für die gesamte Menge des eingekauften Gutes (der jeweiligen Produktgruppe) zu dem angegeben Zeitpunkt. Es handelt sich dabei also um eine Kombination aus der Variablen Menge" und dem tatsächlich gezahlten Marktpreis für das Produkt.
Die letzte Variable Preis" ist ein Proxy für den tatsächlichen Marktpreis, da nicht einzelne Produkte, sondern Produktgruppen betrachtet werden. Er wird als Quotient aus der Variablen Wert" und der Variablen Menge" ermittelt. Im Ergebnis erhält man die Variable Preis" mit der Einheit € je kg oder € je Liter, die eigentlich einen Durchschnittswert pro Einheit darstellt. Hinter dem Preis einer Produktgruppe stehen sowohl Markenprodukte mit tendenziell deutlich höheren Preisen und als auch No-Name-Produkte mit günstigeren Preisen. Eine genauere Differenzierung ist bei dem Kenntnisstand nicht möglich. Somit handelt es sich bei den Preisen um den gewichteten Durchschnittspreis alle Güter, also sowohl der Marken- als auch No-Name-Produkte in der betreffenden Produktgruppe und nicht um Preise für ein Leitprodukt. 2 Datengrundlage 6

2.2 Datenprobleme
Bei der Durchführung der Schätzung müssen eine Reihe von auftretenden Datenproblemen gelöst werden. Die grundlegenden Problemfelder werden im Folgenden kurz skizziert. Eine detaillierte Darstellung bezüglich des Umgangs mit den Datenproblemen erfolgt in Abschnitt 4, da die Ansätze von dem später zu schätzenden Modell abhängig sind.

2.2.1 Datenlücken bei Rohdaten
Die Rohdaten beinhalten eine größere Anzahl von fehlenden Werten. Das zur empirischen Analyse verwendete Software-Programm STATA wertet diese leeren Textfelder als missing values". In allen Auswertungen werden diese fehlenden Werte ausgeschlossen. Abbildung 1 und Abbildung 2 geben Beispiele zu den vorhandenen Datenlücken.

Diese fehlenden Werte werden damit begründet, dass nicht alle Haushalte alle Produkte in jedem Monate kaufen. In den Monaten, in denen bestimmte Produkte nicht nachgefragt werden, kann auch kein numerischer Wert erfasst werden. Somit entsteht ein missing value". Für die in diesem Bericht vorgenommenen Analysen entstehen damit allerdings Probleme bei der Berechnung der Variablen Wert" und Preis". Die fehlenden Werte aufgrund nicht durchgeführter Einkäufe können nicht unbedingt durch Null ersetzt werden. In Verbindung mit der oben beschrieben Problematik stellt sich nämlich ein weiteres Problem. Einzelne Variablen müssen für die Schätzung logarithmiert werden. Der Logarithmus von null ist nicht definiert. Dies führt im Folgenden zu der Eliminierung dieser Daten aus den Schätzungen; was die Stichprobe, je nach Produktgruppe unterschiedlich stark, zum Teil deutlich verkleinert.

2.2.2 Datenaufbereitung
Für die durchgeführte Schätzung werden die Jahre 2007 bis 2009 herangezogen. Diese drei Jahre charakterisieren jeweils spezielle (Preis-)Situationen. Das Jahr 2007 kann als ein durchschnittliches Jahr betrachtet werden, was Preise und Ausgabenmengen betrifft. Im Gegensatz dazu ist das Jahr 2008 durch im Jahresverlauf deutlich höhere Preise und entsprechende Mengenänderungen gekennzeichnet. Im Jahr 2009 liegen die durchschnittlichen Preise und Mengen dann wieder unter dem Jahresniveau in 2007. Der Einbezug dieser speziellen Phasen in die Schätzung umgeht die Problematik von Extremwerten in der Stichprobe.2 Datengrundlage 8
Eine Reihe weiterer Datenaufbereitungen wird durchgeführt, um ein durchschnittliches Konsumverhalten über die Jahre 2007-2009 zu erhalten. Die monatlichen Daten werden dafür in einem ersten Schritt zu jährlichen Daten hochaggregiert. Für die Variablen Menge und Ausgaben (Wert) geschieht dies durch die Addition der jeweiligen Monatswerte. Somit erhält man die jährlichen Ausgaben eines jeden Haushalts für jedes Produkt. Anhand des arithmetischen Mittels werden die Jahresdaten gemittelt. Man erhält das durchschnittliche Konsumverhalten und bereinigt die Daten so von Extremwerten. Die durchschnittlichen Preise aller Produkte für die drei Jahre werden ermittelt, indem die durchschnittlichen Ausgaben durch die durchschnittlichen Mengen geteilt werden. Die entsprechenden Anteilswerte der Ausgaben jedes einzelnen Produktes an den Gesamt-ausgaben für alle betrachteten Produkte bilden die endogene Variable des im folgenden Abschnitt vorgestellten Modells.3 Modellbeschreibung 9

3 Modellbeschreibung
Ein üblicher Ansatzpunkt für die Ableitung eines Nachfragesystems ist die Spezifikation einer funktionalen Form, womit jede direkte und indirekte Nutzenfunktion abgebildet werden kann. Dieser Ansatz wird in dem Almost Ideal Demand System (AIDS)" Modell verfolgt, welches von (Deaton and Muellbauer, 1980) entwickelt wurde. Auf Basis eines nutzenmaximierenden Konsumenten wird ein System von Nachfragegleichungen entwickelt. In der allgemeinsten Form ist das AIDS Modell ein nicht-lineares Gleichungssystem mit der folgenden Spezifikation2:
2 Eine ausführliche Ableitung des Modells findet sich in DEATON &MUELLBAUER (1980), S.312-314

Der oben beschriebene Ansatz stellt ein in den Parametern nichtlineares Gleichungssystem dar. Wenn der Preisindex für die betrachteten Güter, bekannt ist, reduziert sich die Schätzproblematik auf ein lineares Model in den Parametern, welches ohne Berücksichtigung der Restriktionen mit Hilfe von OLS für jede Gleichung einzeln geschätzt werden könnte. Sollten sich jedoch die Preise als nahezu kollinear herausstellen, besteht die Möglichkeit, dies in der Schätzung zu berücksichtigen. Für diesen Fall kann alternativ der Stone-Preisindex verwendet werden (Deaton & Muellbauer, 1980).

Diese Grundform lässt sich leicht interpretieren. In Abwesenheit von Veränderungen in den relativen Preisen und den ealen" Ausgaben ÛÞxP"ÛÞsind die Ausgabenanteile konstant. Diese Situation dient als Startpunkt, um rognosen" mit dem Modell zu erstellen. Veränderungen in den relativen Preisen wirken durch die Parameter ;ij. Die ;ij zeigen den Effekt einer einprozentigen Erhöhung des j-ten Preises auf den Ausgabeanteil i (wi). Dabei werden die ealen" Ausgaben ÛÞxP"ÛÞals konstant unterstellt. Veränderungen bei den ealen" Ausgaben wirken durch den Parameter ;i. Dieser ist positiv für Luxusgüter und negativ für Güter des täglichen Bedarfs.3 Modellbeschreibung 11
Neben den klassischen Variablen, wie Preise und Mengen der betrachteten Güter, ist es möglich, weitere Variablen zu berücksichtigen. MUELLBAUER (1977) zeigt, dass die Berücksichtigung von sozio-ökonomischen Faktoren in die Nachfragefunktion zu genaueren Ergebnissen der zu ermittelnden Elastizitäten führt. Dies soll auch in der vorliegenden Arbeit berücksichtigt werden. Als zusätzliche Größen werden in das Gleichungssystem folgende vier Variablen mit aufgenommen: HHGröße : Anzahl der im Haushalt (HH) lebenden Personen HHEinkommen : (Netto-) Einkommen des Haushaltsvorstands Nationalität : Dummy-Variable zur Kennzeichnung der deutschen (0) und nicht-deutschen Nationalität der Haushalte (1) Bildung : Klassifizierungsvariable zum Bildungsstand des Haushaltsvorstands Die zu schätzende Gleichung sieht dann sie folgt.Mittelpunkt der Analyse des Nachfrageverhaltens von Haushalten stehen jedoch nicht primär die geschätzten Koeffizienten des oben beschriebenen Gleichungssystems. Von besonderem Interesse sind die aus den Parametern abgeleiteten Elastizitäten. Allgemein können die unkompensierten Elastizitäten des AIDS-Models bestimmt werden durch die Ableitung der Nachfragefunktion nach den ealen Ausgaben" (Ausgabenelastizität), dem Eigenpreis (Eigenpreiselastizität) und den Kreuzpreisen (Kreuzpreiselastizitäten) (R. Green und Alston, 1990, S. 443). So wichtig die Auseinandersetzung mit den Modellspezifikationen und Schätzmethoden sein mag, sollte ein Punkt nicht außer Acht gelassen werden.

Konsumforschung (GfK) ergeben Marktpreise für die betrachteten Gruppen3. Die Preisdaten ergeben sich vielmehr als gewichtete Durchschnittspreise einer Produktgruppe, als sogenannte Unit Values. Diese Durchschnittspreise pro Haushalt beinhalten alle Verschiebungen, die sich aus dem Kauf unterschiedlicher Qualitäten ergeben, sowie Substitutionen innerhalb der kleinsten Produktgruppe. Somit wird die obige Diskussion überlagert von den Erfassungs- bzw. Auswertungsproblemen der betrachteten Variablen. Ein theoretisch oder empirisch angewandtes AIDS- oder LA/AIDS Modell, das dies berücksichtigt, ist in der Literatur jedoch nicht zu finden. Verschiedentlich wird der Versuch unternommen, die Preise aus den Durchschnittspreisen unter Berücksichtigung weiterer Faktoren vorabzuschätzen, um so das Problem unterschiedlicher Qualitäten zu antizipieren. Hier sollte in der Literatur bei der Diskussion der Ergebnisse eine größere Gewichtung auf die verwendeten Datenquellen gelegt werden. Wenn die wichtige Variable, der Preise der verschiedenen Produkte, nicht genau erfasst wird, können die abgeleiteten Elastizitäten nur als Approximation bzw. als Näherung an den wahren Elastizitätswert aufgefasst werden. Somit erhält man durch die Studien, die verschiedene Spezifikationen und Schätzmethoden anwenden, eine mögliche Bandweite von Preiselastizitäten. Der ahre" Wert wird mit großer Wahrscheinlichkeit in dieser Bandbreite liegen. Die vorliegende Studie nimmt sich ausdrücklich nicht von dem oben genannten Problemfeld aus. Dieses Problem existiert in angewandten Arbeiten und lässt sich nur mit sehr großem Aufwand beheben. Trotz dieser massiven Kritik findet das LA/AIDS-Modellen in der angewandten Forschung zahlreiche Anwendungen. Zahlreiche neuere Studien verwenden ein LA/AIDS-Modell mit der CHALFANT (1987)-Spezifikation. So wird von JANDA, MIKOLASEK UND NETUKA (2010) das Modell auf die tschechische Alkoholnachfrage angewandt. Auf Basis der deutschen Einkommens- und Verbraucherstichprobe werden Produkte des täglichen Bedarfs, wie Fleisch, Milch, Gemüse u.a.m., von (THIELE, 2008) untersucht. Amerikanische Produkte stehen bei AKBAY UND JONES (2006) im Fokus des Nachfragesystems. Ebenfalls für den deutschen Markt wurde von (WILDNER, 2001) ein LA/AIDS Modell für verschieden Fleisch- und Fischarten spezifiziert.
3 Die GfK erfasst zwar für jeden Kauf den zugehörigen Preis. Allerdings liegen die Daten nur in aggregierter Form für Produktgruppen vor. Um mit Marktpreisen arbeiten zu können, müssten aus den Rohdaten die Marktpreise für Leitprodukte in genau spezifizierten Qualitäten herausgefiltert und den übrigen Daten zugespielt werden.
Ein weiteres Problemfeld eröffnet sich bei der Behandlung von fehlenden Informationen bzw. Antworten. Nicht alle betrachteten Produkte werden immer von den Haushalten eingekauft. Nur wenn ein Produkt gekauft wird, liegen auch Daten über die Menge und den Preis vor. Die vorliegende Datenbasis zeigt, dass auch bei dieser Analyse nicht alle Produkte von den 3 Modellbeschreibung 15 Haushalten nachgefragt werden. Damit handelt es sich jedoch nicht mehr um eine zufällig aus der Grundgesamtheit gezogene Stichprobe. Dies kann Konsequenzen für die durchzuführende Schätzung haben. Im Kern geht es um die Behandlung von Nullbeobachtungen der endogenen Variable. Im ökonometrischen Kontext wird diese Frage unter dem Begriff ample selection" diskutiert. Einige Arbeiten zu Nachfragesystemen gehen jedoch von einem anderen Schätzansatz aus HEIEN UND WESSELLS (1990, S.368) und JONAS & ROOSEN (2008). Die Grundannahme hier ist, dass die Ausgabeanteile keine negativen Werte annehmen können. Daher werden diese Daten dann als gestutzte (trunkierte) Daten eingestuft. Dementsprechend wurde eine trunkierte Regressionsanalyse für Systemschätzungen (SHONKWILER UND YEN, 1999) vorgeschlagen und zur Nachfrageschätzung angewendet. Beide ökonometrischen Konzepte unterscheiden sich allerdings in einem wichtigen Punkt. Bei gestutzten Daten ist die Grenze der Datenstutzung bekannt und für alle individuellen Haushalte beobachtbar. Bei der Problematik der ample selection" rückt man von der Annahme einer zufällig gezogenen Stichprobe ab. Diese Situation lässt sich auf die Art der Datengewinnung der GfK wie folgt übertragen. Erfasst werden nur Personen die einen Kauf tätigen. Nur für diesen Personenkreis liegen Informationen vor. Es liegen keine Informationen vor, wenn ein Produkt in einem Zeitraum nicht gekauft wird. Somit sind die zu Schätzung verwendeten Daten jedoch nicht mehr zufällig gezogen. Die Entscheidung Kauf oder Nicht-Kauf eines Produktes wirkt sich direkt auf die endogene Variable (Anteil w) aus. Der Kauf eines Produktes (aus einer Produktgruppe) mag von anderen, weiteren nicht beobachteten exogenen Modellvariablen abhängen. Wenn dies nicht der Fall ist, behalten die gängigen Schätzmethoden ihre Gültigkeit. Falls jedoch die Entscheidung zum Kauf eines Produktes von weiteren unbeobachteten Variablen abhängen sollte, spricht man von einem election bias". Mit anderen Worten man muss die Gründe für den Nicht-Kauf kennen und beobachten können. Die Gründe für den Nicht-Kauf werden allerdings nicht beobachtet und nicht erfasst. Unter diesem Gesichtspunkt kommt nur eine Analyse unter der election bias" Problematik in Betracht. Eine Analyse nach dem ökonometrischen Konzept bei gestutzten Daten ist hier nicht angebracht.

Bevor weiter die Thematik ample selection" diskutiert wird, wird in Tabelle 1 ein Überblick über die Nullbeobachtungen (keine Käufe) im vorliegenden Datensatz gegeben. Diese sind aufgegliedert nach den einzelnen Produktgruppen.
Gefördert vom Bundesministerium für Ernährung,

Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
Begleitforschung zum Modellvorhaben Schulmilch im Fokus" des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Ver-braucherschutz (BMELV)

Ergebnisbericht
Untersuchung von Schulen, die nicht am Schulmilchprogramm teilnehmen, aber Milch und Milchprodukte anbieten
Josa Kaiser
Eva Goos-Balling
Cornelie Pfau
Dezember 2011

1 Hintergrund und Zielsetzung
Das Thema Kinderernährung ist in den letzten Jahren durch die zunehmende Fehlernährung verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses gerückt und fordert massive ernährungspolitische Maßnahmen. Einer gesunden Schulverpflegung wird deshalb im Rahmen des IN FORM-Prozesses (BMELV/BMG 2008a) durch mehrere Maßnahmen des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) verstärkt Rechnung getragen (BMELV/BMG 2008b). Vor dem Hintergrund des in den letzten Jahren kontinuierlich fallen-den Absatzes an Schulmilch und des sinkenden Anteils an Schulen (BMELV 2009), die am Europäischen Schulmilchprogramm teilnehmen, hatten sich das Bundesministerium für Er-nährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) des Landes NRW auf Initiative der Koalitionsfraktionen im März 2007 darauf verständigt, im Rahmen der Initiative Gesunde Schulverpflegung" ein Modellvorhaben zur Abgabe von Schulmilch an Grundschu-len zu entwickeln (SPD-Fraktion 2007).

Das Modellvorhaben startete im August 2008 und wurde für eine Dauer von zwei Schuljah-ren in Grundschulen in NRW durchgeführt. Die Begleitforschung zum Modellvorhaben Schulmilch im Fokus" wurde vom Max Rubner-Institut (MRI) in Kooperation mit dem Jo-hann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) durchgeführt. Hierbei war der Einfluss des Preises und anderer Faktoren auf die Nachfrage nach Schulmilch zu untersuchen. Neben der Hauptstudie, die ausschließlich in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurde, wurden vom MRI noch drei weitere (Teil)Studien bearbeitet, die sich in erster Linie mit der Identifikation verschiedenster Einflussfaktoren auf die Nachfrage nach Schulmilch auseinandersetzten und sich nicht primär auf den Preis fokussierten. Mit diesen Studien wurden auch die Hand-habung und die Erfahrungen mit dem Schulmilchprogramm in anderen Bundesländern in das Modellvorhaben einbezogen.
Bei der in diesem Bericht vorgestellten Studie wurde eine andere Herangehensweise an die Problemstellung gewählt, indem Schulen in verschiedenen Bundesländern untersucht wur-den, die Milch und Milchprodukte außerhalb des Schulmilchprogramms anbieten. Damit soll-te aufgezeigt werden, wie Angebote nichtsubventionierter Milch und Milchprodukte in das alltägliche Schulleben" eingebunden sind. Ziel der Studie war es, die Gründe und die Art der Ausgestaltung des Milchverkaufs, wie die Auswahl der angebotenen Produkte, die Orga-nisation des Einkaufs, die Verteilung etc. an diesen Schulen zu untersuchen. Darüber hinaus sollten aber auch Hinweise gesammelt und Gründe erfasst werden, die Hindernisse für eine Teilnahme am Schulmilchprogramm darstellen. Überprüft werden sollten dabei auch Aussa-gen wie der organisatorische Aufwand des Bestellens und Verteilens der subventionierten Schulmilch ist zu hoch", von den Entscheidungsträgern und/oder Eltern in den Schulen wer-den andere Produkte als die im Schulmilchprogramm enthaltenen gewünscht" oder "äußere Rahmenbedingungen verhindern die Einführung von Schulmilch". 2.1 Projektdesign

2 Methode
2.1 Projektdesign
Ziel der Studie war nicht die Bereitstellung repräsentativer Daten über die Schulen, die Milch aber keine Schulmilch anbieten, sondern das Aufzeigen eines Querschnitts bzw. der Bandbreite von Hintergründen, Bedingungen und Vorgehensweisen bei der Gestaltung eines Milchangebots in Schulen. Dem Projektdesign lagen folgende Überlegungen zugrunde:
Die Stichprobe sollte sich aus insgesamt 60 Schulen zusammensetzen, die nicht am Schulmilchprogramm teilnehmen, aber Milch und Milchprodukte anbieten.
Die Schulen sollten aus verschiedenen geografischen Regionen Deutschlands sowie aus städtischen und ländlichen Gebieten stammen.
In der Stichprobe sollten Schulen verschiedener Schultypen (z.B. Grund- und weiter-führende Schulen) enthalten sein.
Es sollten Schulen aus dem Saarland untersucht werden, da das Saarland seit dem Schuljahr 2003/04 nicht mehr am Schulmilchprogramm teilnimmt.
Aus forschungsökonomischen Gründen (Erhebungskosten) sollten pro Bundesland 10 bis 15 Schulen einbezogen werden. Dies führte zu einer Beschränkung auf die 5 Bun-desländer Baden-Württemberg mit 15 Schulen, Niedersachsen mit 15 Schulen, Bran-denburg mit 10 Schulen, Berlin mit 10 Schulen und das Saarland mit 10 Schulen.
In persönlich geführten Interviews sollten Personen befragt werden, die für die Auswahl des Milchangebots oder für dessen derzeitige Ausgestaltung verantwortlich sind. Hierfür sollte in den Schulen jeweils eine Person aus den vier Personengruppen Schulleiter1, Hausmeister, Lehrer und Eltern ausgewählt werden.
1 Zur besseren und schnelleren Lesbarkeit wird in diesem Bericht überwiegend die männliche Form verwendet. In allen Fällen gilt jeweils die weibliche und männliche Form.

2.2 Auswahl der Schulen
Für Deutschland liegen keine Übersichten oder Adresslisten von Schulen mit Informationen darüber vor, welche Schulen ein Milchangebot außerhalb des Schulmilchprogramms haben bzw. welche Schulen überhaupt eine Pausen- oder Mittagsverpflegung anbieten. Deshalb gestaltete sich die Ermittlung entsprechender Schulen als sehr aufwendig und zeitintensiv.
Als erstes wurde Kontakt zu den für die Beihilfeabwicklung zuständigen Länderbehörden aufgenommen. Es war jedoch nicht möglich, eine Adressliste derjenigen Schulen zu erhal-ten, die in den letzten Jahren aus dem Schulmilchprogramm ausgestiegen sind. Anschlie-ßend wurden verschiedenste Schulmilchlieferanten gefragt, ob sie Schulen auch mit Milch und Milchprodukten beliefern, ohne Subventionen dafür zu beantragen. Aufgrund des Daten-schutzes wollten viele jedoch keine Kundendaten aushändigen, so dass nur wenige Schulen auf diesem Wege ermittelt werden konnten. Weitere Anlaufstellen waren die Landesvereini- 2.3 Entwicklung des Erhebungsinstruments
Für Milchwirtschaft, Frischdienste, Anbieter von Schulverpflegung, Vernetzungsstel-len für Schulverpflegung sowie sonstige Akteure, die Kontakt zu Schulen mit potenziellem Milchangebot haben können. Ein weiterer Zugangsweg zu den Schulen war das Internet. Über verschiedenste Recherchen mit Begriffen wie z. B. Schulkiosk", Schülerfirma", Schulcafeteria" oder Ganztagsschule" wurde die Sammlung infrage kommender Schulen erweitert. Anschließend wurde diese erarbeitete Adressliste von Schulen mit der Adressliste von Schulen der Schulmilchstatistik des jeweiligen Bundeslandes verglichen, um sicherzu-stellen, dass die in die Untersuchung einbezogenen Schulen keine Schulmilch beiehen.
2.3 Entwicklung des Erhebungsinstruments
Als Erhebungsmethode wurde ein persönlich geführtes halbstandardisiertes Interview ge-wählt, das durch die Kombination von offenen Fragen mit geschlossenen Fragen gekenn-zeichnet ist. Der Vorteil dieser Methode besteht in der flexiblen und offenen Vorgehenswei-se. So können bei bekannten Aspekten geschlossene Fragen verwendet werden, dagegen werden neue Aspekte eines Themenbereichs durch offene Fragen mit freier Antwortenmög-lichkeit aufgedeckt (Lamnek 2005).

Im Rahmen dieser Studie wurde zudem eine Diplomarbeit vergeben und betreut, die wertvol-le Anregungen für die Entwicklung des Interviewleitfadens lieferte (Wurz 2009). Es wurden drei zielgruppenspezifische Interviewleitfäden entsprechend den Funktionen Schulleitung, Milchkoordinator und Lehrer/Eltern an der Schule entwickelt (Tab. 1). Der Interviewleitfaden für Milchkoordinatoren ist der umfassendste und hauptsächlich auf eine Person ausgerichtet, die sich mit dem täglichen Verkauf der Milch und Milchprodukte an der Schule auskennt und die Funktion der für die Milchorganisation zuständige Person ausübt (z. B. Hausmeister, Ca-feteriapersonal, externer Betreiber). Dieser Interviewleitfaden enthält jedoch auch die Fra-gen, die sich an Schulleiter und Lehrer/Eltern richten und konnte je nach zu befragender Person eingesetzt werden. Hierdurch war eine hohe Flexibilität in Hinblick auf Interviewfüh-rung und -verlauf gewährleistet. Da die Fragen für Lehrer und Eltern fast identisch sind, wur-den die Fragen in einem Interviewleitfaden zusammengefasst und die personenspezifischen Fragen jeweils mit einem L" oder einem E" gekennzeichnet. Insgesamt wurden 144 Fragen formuliert, die sich in sechs Hauptthemen gliedern lassen (Tab. 1). 2.3 Entwicklung des Erhebungsinstruments

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